Die Schweiz und die Transparenz im Rohstoffsektor

Die Schweiz und die Transparenz im Rohstoffsektor

Erstmals hat die Extractive Industries Transparency Initiative EITI (Initiative für Transparenz im rohstoffgewinnenden Sektor) eine Sitzung ihres Verwaltungsrats in der Schweiz abgehalten. Bei dieser Gelegenheit hat sich SWISSAID dafür eingesetzt, die Problematik der Transparenz im Rohstoffhandel sichtbar zu machen. Die Organisation nahm am Side-Event zu dieser Sitzung teil, der am 20. Oktober vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) veranstaltet wurde.

Mehrere Dutzend Rohstoffexpertinnen und -experten waren am 20. Oktober auf Einladung des SECO auf dem Berner Hausberg Gurten am Symposium «Mehr Transparenz im Rohstoffhandel» anwesend. Vertreter von Unternehmen, Regierungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen – ein Abbild der Mitglieder der Transparenzinitiative EITI – tauschten sich über die Problematik aus und setzten sich für ihre Standpunkte ein. Die Schweiz aber, die innerhalb weniger Jahre zu einer eigentlichen Drehscheibe des Rohstoffhandels geworden ist, bekundet Mühe damit, verpflichtende Standards für eine grössere Transparenz in diesem Sektor einzuführen.

Trafigura macht den Anfang

Lorenz Kummer von SWISSAID vertrat die NGOs in einem Panel verschiedener Experten. Er sei gespannt auf den ersten EITI-Bericht der Genfer Firma Trafigura, den diese im Dezember 2015 publizieren wird. Trafigura handelt mit Erdöl und Metallen und ist das erste Unternehmen in der Schweiz, das der EITI beigetreten ist. «Erwarten Sie nicht zu viel von den Informationen, die wir offenlegen werden», meinte der Trafigura-Vertreter Andrew Gowers. Diese seien «beschränkt». Er glaubt, dass weitere Handelsfirmen dem Beispiel von Trafigura folgen und der Transparenzinitiative beitreten werden.

Dies wünscht sich auch Clare Short, die Präsidentin des internationalen Verwaltungsrats der EITI. Sie rechnet mit einem baldigen Beitritt weiterer Trader. Wie der Generalsekretär der Swiss Trading and Shipping Association (STSA) Stéphane Graber erklärte, hat vorläufig aber «ausser Trafigura noch kein Mitglied des Branchenverbands STSA beschlossen, dies zu tun.»

Bedenken der offiziellen Schweiz weggewischt

Die offizielle Schweiz, die von Michael Manz des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) und Monica Rubiolo (SECO) vertreten wird, befürchtet nach wie vor, dass die Forderung nach mehr Transparenz in diesem Sektor die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigt. Dadurch drohe die Gefahr, dass Rohstoff-Firmen das Land verlassen. Dieses Argument wischte Lorenz Kummer von SWISSAID vom Tisch: «Ich glaube ganz und gar nicht, dass die Unternehmen plötzlich abwandern werden. Hingegen wäre es für die Schweiz positiv, wenn sie ihre Verantwortung in punkto Transparenz wahrnehmen, ihre Reputationsrisiken einschränken und nicht mehr einer Bewegung hinterherhinken würde, die immer mehr an Boden gewinnt.»

Jonas Moberg, Leiter des internationalen Sekretariats der EITI, und Alexandra Gillies vom Natural Resource Governance Institute (NRGI), äusserten sich ähnlich: «Wir befinden uns an einem spannenden Punkt: Immer mehr Länder engagieren sich für mehr Transparenz, und auch die Schweizer Regierung hat bereits mehrfach erklärt, dass sie ihre Verantwortung im Bereich der Transparenz im Rohstoffhandel anerkennt.» Alexandra Gillies rechnet deshalb wie SWISSAID und andere NGOs mit guten Neuigkeiten und ist der Ansicht, dass sich die Rohstoffdrehscheibe Schweiz an die Spitze dieser zunehmend an Bedeutung gewinnenden Bewegung stellen könnte und sollte.

Foto: Rohstoff-Experte Lorenz Kummer von SWISSAID ergreift auf dem Podium das Wort.