Die Schweiz spart sich die Welt

Die Schweiz spart sich die Welt

Bern, 03.12.2015. Der Nationalrat hat heute im Voranschlag des Bundesbudgets 2016 drastische Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit akzeptiert. Damit verpasst er es, dem Raubbau bei den Entwicklungsgeldern einen Riegel zu schieben. Denn in seinem Stabilisierungsprogramm für 2017-2019 sieht der Bundesrat weitere Einsparungen bei der internationalen Zusammenarbeit vor.

Kürzlich gab der Bundesrat die Details seines Stabilisierungsprogramms 2017-2019 bekannt. Dieses soll zu 20-25% auf Kosten der internationalen Zusammenarbeit gehen. Damit verabschiedet sich der Bundesrat nicht zuletzt auch vom Ziel des Parlaments, jährlich 0.5% des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen.

Ende September feierte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an der Uno-Vollversammlung die Verabschiedung der Agenda 2030 für die nachhaltige Entwicklung als «historische Übereinkunft». Mit der Annahme der Agenda 2030 bekräftigte die Schweiz auch ihr Versprechen, 0.7% des BNE für Entwicklungszusammenarbeit bereitstellen zu wollen.

Anstatt die Gelder weiter zu erhöhen, kürzt der Bundesrat aber bereits im Bundesbudget 2016 massiv bei der Entwicklungszusammenarbeit. Der neu zusammengesetzte Nationalrat hat es heute verpasst, diesen Sparvorhaben auf Kosten der Ärmsten ein Ende zu setzen. Anstatt die vorgesehenen Kürzungen rückgängig zu machen, akzeptierte er – wie montags bereits der Ständerat – den Voranschlag des Bundesrats.

Alliance Sud – die entwicklungspolitische Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hilfswerke Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas und Heks – kritisiert diesen Entscheid als kurzsichtig und unsolidarisch. «Eine politisch stabile und ökologisch nachhaltige Welt ohne Armut ist auch für die Schweiz wichtig», betont Eva Schmassmann, Entwicklungsexpertin bei Alliance Sud, «eine Mehrheit des neu gewählten Parlaments scheint jedoch eine kurzsichtige Sparpolitik dem langfristigen Interesse der Schweiz an einer solidarischen Weltordnung vorzuziehen. Angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen sollte die Schweiz ihre Hilfe im Gegenteil ausbauen.»

Für weitere Auskünfte:
Eva Schmassmann, Dossier Entwicklungspolitik Alliance Sud, 076 458 89 52