Die Früchte hängen tiefer

Die Lage scheint vielen jungen Männern und Frauen in Nicaragua ausweglos. Doch Jugendorganisationen schaffen Hoffnung und Zukunftsperspektiven.

Der 22-jährige Erling Aquilar blickt zufrieden auf sein Feld: Die Chayote, ein beliebtes Gemüse, ist an einem Drahtgeflecht hochgebunden, erste Früchte baumeln von den kräftigen Trieben und lassen auf eine gute Ernte hoffen. Der Verkauf der kürbisähnlichen Leckerbissen wird Erling während der Erntezeit rund 400 Franken pro Monat einbringen, was ungefähr dem vierfachen des gesetzlichen Mindestlohnes entspricht.

In Nicaragua ist ein Drittel der Bevölkerung zwischen 15 und 30 Jahre alt. Doch nur wenigen jungen Männern und Frauen gelingt es, den Lebensunterhalt selber zu verdienen. Besonders auf dem Land kommen viele bloss mit Ach und Krach durch die obligatorische Schulzeit und strömen danach auf einen stagnierenden Arbeitsmarkt, auf dem sie kaum Aussicht auf eine Stelle haben. So sind sie gezwungen, sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs im informellen Sektor über Wasser zu halten oder auf der Suche nach Schwarzarbeit ins benachbarte Costa Rica auszuwandern. Wer genügend Dollars zusammenbringt, um das Glück in den USA zu suchen, wird auf der gefährlichen Reise oft von kriminellen Schleppern ausgeraubt. Auf der Strecke bleiben die Hoffnung und im schlimmsten Fall sogar das Leben.

Kleinkredit ohne Sicherheiten

Erling Aquilar hat bessere Perspektiven. Als Mitglied der Jugendgenossenschaft «Esperanza» (zu Deutsch: Hoffnung) konnte er einen Kredit von 700 Franken aufnehmen, obwohl er über keine Sicherheiten verfügte. Das Geld investierte er auf dem Bauernbetrieb seiner Eltern in eine kleine Parzelle und kaufte unter anderem Maschendraht und Holzpfosten, um das pergolaähnliche Gerüst für den Anbau der Hängepflanzen zu errichten.

Neben Krediten bietet die Genossenschaft mit Sitz in Jucuapa 125 jungen Menschen Beratung bei der Umsetzung eigener Geschäftsideen oder hilft, wenn ein Stipendium für eine technische Ausbildung oder ein Studium benötigt wird. Regelmässig organisiert sie Weiterbildungsseminare zu Themen, die die Mitglieder besonders interessieren, etwa agroökologische Anbaumethoden, Saatgut-Züchtung, Bürgerrechte, Gleichstellung von Mann und Frau oder sexuelle Gesundheit.

Erfolgreiche Interessenvertretung für die Vermarktung der Ernte

Die Genossenschaft unterstützt die Jugendlichen auch bei der Vermarktung der Produkte. Pflanzen diese Bohnen an – das Grundnahrungsmittel schlechthin in Nicaragua –, organisiert sie die Lagerung und die Vermarktung der Ernte. So lässt sich das Einkommen der Jugendlichen erhöhen. Die Organisation vertritt jedoch auch ihre politischen Interessen bei Behörden und Ministerien. So hat sie erreicht, dass im Dorf von Erling Aquilar auch eine Sekundarstufe angeboten wird.

Fazit: «Esperanza» bietet Jugendlichen wie Erling Aquilar eine echte Chance, Geschäftsideen zu realisieren und sich so eine Perspektive zu schaffen. Gut auch: Erling muss nicht in eine ferne Zukunft investieren, sondern kann bereits heute die Früchte seiner Anstrengungen ernten.

 

 

  • Projektnummer: NC 2/14/12
  • Projektdauer: 24 Monate
  • Projektkosten:  Fr. 54‘936.-
  • Anzahl direkt Begünstigte: 225 Jugendliche und junge Erwachsene