Myanmar (Burma): Damit aus dem Wald kein Kleinholz wird

In Myanmar (Burma) wurde in den letzten Jahren viel Waldfläche illegal abgeholzt. Das ist nicht nur eine ökologische Katastrophe, sondern zieht auch die landlose Bevölkerung ins Verderben. Gemeinsam mit SWISSAID sucht sie nach Lösungen.

Das Kreischen der Motorsägen zerschneidet die Stille im Wald. Hier, in Kachin State nahe der chinesischen Grenze, reisst der Lärm den ganzen Tag nicht ab. Täuscht der Eindruck oder kommt er langsam näher?

Der Krach der Maschinen erzählt eine unheilvolle Geschichte. Sie handelt vom Reichtum der Wälder und dem Hunger der Investoren, die in ihrer Gier nach Gold, wertvollen Harthölzern oder Kautschuk Quadratmeter um Quadratmeter dem Boden gleich machen. Vor allem aber handelt sie von Menschen wie Youn: Für sie ist der Wald nicht Naherholungsgebiet, sondern Vorratskammer, Arbeitsort und Medizinschränkchen – also schlicht überlebenswichtig.

Mit dem Wald verlieren sie die Lebensgrundlage

Wie viele andere besitzt Youn, Mutter und Haushaltsvorsteherin aus dem kleinen Dorf Maina, kein eigenes Land: „Der Gemeinschaftswald ist für mich die einzige Möglichkeit, meine Familie zu ernähren.“ Der Wald spendet Wasser und ermöglicht ihr und den anderen Landlosen durch den Verkauf von Feuerholz, Bambus, Wild, Honig, Pilzen und Waldfrüchten ein mageres Einkommen. Mit der Abholzung gerät die ganze Dorfgemeinschaft in Existenznot.

Seit 2010 verschwinden in Myanmar jedes Jahr 5460 Quadratkilometer Wald. Damit liegt das Land auf dem unrühmlichen dritten Platz in der weltweiten Waldvernichtungs-Skala. Der Holzschlag ist für die Bevölkerung aber nicht das einzige Übel: Der bewaffnete Konflikt zwischen der Regierung und der Kachin Independent Army (KIA) schwelt weiter, die Sicherheitslage im Gliedstaat bleibt prekär.

Landrechte schaffen Sicherheit

Um mehr Sicherheit zu schaffen, setzen SWISSAID und ihre lokalen Partnerorganisationen bei der Frage nach dem Landrecht an. Offizielle Urkunden schützen die Familien davor, von ihrem Boden vertrieben zu werden und erhöhen trotz grosser Rechtsunsicherheit die Chance der Landlosen auf Nahrungssicherheit und Einkommen. Von den 16 neu gebildeten Waldnutzungsgruppen sind elf auf gutem Weg zur Erlangung der Landrechte, vier haben die Verhandlungen mit dem Walddepartement noch nicht hinter sich und eine hat das Papier, das ihnen die Nutzung ihres Waldes zusichert, schon in der Tasche. Dass die Regierung vor kurzem beschlossen hat, das Treiben in den Wäldern nicht mehr länger hinzunehmen und mit starker Hand gegen die illegale Abholzung vorzugehen, gibt ebenfalls Hoffnung.

Der Wald braucht Pflege

„Mir ist es wichtig, dass wir gemeinsam den Wald erhalten. Nur so haben wir eine Zukunft“, sagt Youn entschieden. Sie engagiert sich deshalb in einer der Nutzungsgruppen für die Pflege des Waldes. Deren Mitglieder jäten, dünnen überzählige Triebe aus und arbeiten mit zwei eigens gegründeten Baumschulen an der Aufforstung. Über 200‘000 Bäume konnten sie in einem Jahr setzen. Auch Brandschutzmassnahmen sind geplant, um die Pflanzen im Ernstfall vor den Flammen zu schützen.

Mehr Einkommen, mehr Essen

Um die Armut zu lindern und die Ernährung zu verbessern, unterstützt SWISSAID die Familien zudem bei Aktivitäten, mit denen sie ihre finanzielle Lage verbessern können. Der Anbau von Bergchili, Pfeffer, Kaffee, Ingwerwurzeln und den sehr beliebten Drachenfrüchten mitten im Wald dient nicht nur dem Eigenkonsum, sondern auch dem Verkauf. 149 Haushalte konnten so innerhalb eines Jahres die Familienkasse aufbessern.

Eine Besonderheit ist das Besengras, das im Wald gedeiht. Die Frauen flechten die Halme zu Büscheln, binden sie zusammen und verkaufen die Besen auf dem Markt. Neue Besen kehren gut, sagt das Sprichwort. Solange sie sich auf dem Markt gut verkaufen, lässt sich damit vielleicht sogar die Armut aus den Dörfern fegen.

Projektcode: MY 2/14/05

Projektkosten: 115‘314.- Franken
Projektdauer: Zwei Jahre

Anzahl Begünstigte: 3800 Männer, Frauen und Kinder