Kolumbien: Dem Kokain-Fluch entrinnen

80'000 Familien in Kolumbien leben vom Koka-Anbau. Kleinbauern wählen diesen Weg meistens aus Verzweiflung: Ihre Alternativen sind häufig so karg wie ihre Böden. SWISSAID zeigt ihnen, wie sie mit agroökologischen Methoden auf legale Art ihre Familien ernähren können. Vor allem Jugendliche erhalten so ökonomische Perspektiven, ohne in die Illegalität abzurutschen.

Gewalt, organisierte Kriminalität, schneller Kick und schnelles Geld prägen Handel, Anbau und Konsum von Kokain weltweit. Bauernfamilien im Süden und Osten Kolumbiens wählen den Weg in die Illegalität meistens aus purer Verzweiflung. Reich werden sie dabei nicht: Bloss 1,30 Dollar erhält ein Campesino pro Kilo Koka-Blätter. Das grosse Geld machen andere, irgendwo auf dem langen Weg von Südamerika bis nach Europa.

Drogenproduktion und -handel in Kolumbien waren jahrzehntelang eng mit dem Bürgerkrieg verknüpft. Bewaffnete Banden kontrollierten Anbau und Handel und hielten die Preise der Koka-Blätter mit Gewalt tief. Dass bis heute Zehntausende Bäuerinnen und Bauern Koka statt Früchte anbauen, liegt auch an der schieren Alternativlosigkeit: Schlechte landwirtschaftliche Kenntnisse treffen auf mangelnde staatliche Präsenz und desolate Infrastruktur isolierter Landstriche, was wiederum den Anschluss an den Markt erschwert.

Schnelles Geld lockt Jugendliche in die Illegalität

Hier setzt SWISSAID etwa im Departement Sucre an. Die Region gehört zu den ärmsten Kolumbiens, litt in den letzten Jahrzehnten stark unter bewaffneten Konflikten und ist ein bekannter Umschlagplatz im internationalen Drogenhandel.

Der Anteil Jugendlicher an der Gesamtbevölkerung ist überdurchschnittlich hoch, ihre Einkommensmöglichkeiten dagegen rar: 73 Prozent der 17- bis 29-Jährigen sind arbeitslos, nur 5 Prozent haben eine feste Stelle. Auch Ausbildungsplätze sind Mangelware. Viele Jugendliche schlagen sich als Strassenhändler oder Haushaltshilfen durch – von sozialer oder finanzieller Sicherheit keine Spur. Die Verlockung, sich einer kriminellen Bande anzuschliessen und mit illegalen Aktivitäten schnelles Geld zu machen, ist gross.

Chili und Mais statt Koka-Blätter

Viele Jugendliche aber wollen es auf legalem Weg schaffen – so wie Elkin. Bei der SWISSAID-Partnerorganisation «Microempresas de Colombia» rannte der damals 25-Jährige mit seinem Tatendrang offene Türen ein. Gerade hatte die Organisation begonnen, junge Unternehmer in der Region zu fördern. Elkin erhielt professionelle unternehmerische Beratung und mehrere Kredite zwischen 170 und 200 Franken. Dank Saatgut, einem Motor für den Bau einer Bewässerungsanlage und einem Wasserschlauch kann die Familie heute ihre Felder bewässern, im Wassertank Fische züchten und gute Ernten erzielen.

Auf den drei Hektaren Land wachsen Chili, Mais und Wurzelgemüse. Der Traum des 29-Jährigen, seiner Frau, seiner vierjährigen Tochter und den dreijährigen Zwillingsmädchen ein eigenes Haus zu bauen, ist zum Greifen nah. «Ich war immer schon fleissig, habe viel gearbeitet und das Geld aus dem Verkauf meiner Ernte zur Seite gelegt», erzählt der Bauer. Doch bei allem Fleiss: Weil die wirtschaftliche Situation für Jugendliche in Sucre unglaublich schwierig ist, wäre Elkin ohne Unterstützung vermutlich nicht da, wo er heute steht.