Damit die Arbeit Früchte trägt

Die Landbevölkerung im Gliedstaat Kachin in Myanmar hat es nicht leicht: Die Felder geben wenig her und teure Kredite treiben die Bauern immer tiefer in die Schuldenfalle. Bäuerinnen und Bauern berichten, wie sie dank SWISSAID über die Runden kommen.

Damit hatte in Ma Haung Village im Gliedstaat Kachin in Myanmar (Burma) nun wirklich niemand gerechnet: Der Dünger und die Pestizide, die anfangs so gut geholfen, die Reisernte vergrössert und die Schädlinge im Zaum gehalten hatten, wollten einfach nicht mehr wirken. Doch nicht nur das: Den Feldern und dem Boden schien es immer schlechter zu gehen und die Ernte im Herbst reichte vielen Familien nicht mehr aus, um das ganze Jahr über satt zu werden. 

Immer mehr Chemie

„Unsere Bauernhöfe waren am Boden. Wir hatten keine Ahnung, welche katastrophale Wirkung die Chemie für die Felder hatte, aber wir stellten fest, dass wir jedes Jahr mehr Dünger benötigten, um eine einigermassen gute Ernte zu erzielen“, sagt der Reisbauer Tu Aung. Um das Geld für den Dünger aufzubringen, waren viele Familien gezwungen, zu schlechten Bedingungen Kredite aufzunehmen. Im Nu steckten sie in einer Schuldenspirale, die immer tiefer in die Armut führte. Noch schlechter ging es nur noch jenen Familien, die überhaupt kein Land besassen. 

Krieg, Hunger, Schulden 

Die ständige Nahrungsmittelknappheit, die Schulden und der fehlende Zugang zu fairen Krediten lasten schwer auf der Schulter der ohnehin schon vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg gebeutelten Bevölkerung im nördlichen Gliedstaat Kachin. Um die vielfältigen Probleme an der Wurzel zu packen, braucht es darum ein massgeschneidertes Unterstützungspaket, welches die „Anglican Development Department (ADD)“, eine Partnerorganisation von SWISSAID, auch bekannt als „Aung Sett Kyar“, in die Dörfer des nordöstlichen Gliedstaates brachte. Besonders erfolgreich sind dieaufgebauten  „Farmer Field Schools“. An diesen „Feldschulen“ lernen die Landwirte eine neue Reisanbaumethode (Systematization of Rice Intensification, SRI) und einen schonenderen Umgang mit dem Boden, was erst noch grössere Ernten verspricht.  „Seit 2011 arbeite ich ehrenamtlich als Feldschul-Lehrer. Wir zeigen den anderen Bauern und Bäuerinnen die Vorteile von SRI, Bio-Dünger und natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln“, sagt Lehrer Tu Aung.  Ausserhalb des Unterrichts tauschen sich die Bäuerinnen und Bauern in Lerngruppen aus, wenn sie Fragen zur ökologischen Landwirtschaft haben.

In der Feldschule 

In den „Farmer Field Schools“ nehmen besonders innovationsfreudige Bauern wie Tu Aung eine Vorreiterrolle ein und zeigen ihren Nachbarinnen und Nachbarn als „Feldschul-Lehrer“ die Vorteile der noch unbekannten Techniken. „Seit 2011 arbeite ich ehrenamtlich als Feldschul-Lehrer. Wir haben die Schule dank der Unterstützung durch SWISSAID eröffnen können und zeigen den anderen Bauern die Vorteile von SRI, Bio-Dünger und natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln.“

Ernte (fast) verdoppelt

Beim Umstieg auf neue Ackerbaumethoden steht für die Bauern viel auf dem Spiel: Da sie und ihre Familien hauptsächlich vom Reisanbau leben, muss das Risiko von allfälligen Ernteverlusten klein gehalten werden. Ein Demonstrations-Bauernhof dient daher als neutrales Übungsfeld. „Mit neun anderen Bauern zusammen habe ich die Hälfte eines Feldes auf dem Demonstrations-Hof mit der neuen SRI-Methode bepflanzt und mit Bio-Dünger bewirtschaftet. Statt der üblichen 25 bis 30 Körbe konnten wir auf dieser Fläche 50 Körbe Reis ernten. Durch den Verkauf des Überschusses haben wir ein bisschen Geld verdient“, berichtet der Reisbauer La Ban Naw Rain stolz.

Gemeinsam statt einsam

Diese guten Erfahrungen in den Feldschulen zeigen la Ban Naw Rain und seinen Kolleginnen und Kollegen auch deutlich, wie sehr sich die Zusammenarbeit mit anderen Kleinbauern lohnen kann. Als Interessensgruppe gewinnt ihr Wort an Gewicht, wenn es zum Beispiel darum geht,  bei Abnehmern höhere Preise für ihre Produkte auszuhandeln. SWISSAID unterstützt die Bäuerinnen darin, den Kontakt zu Händlern herzustellen, damit diese ihre Produkte auch ausserhalb des lokalen Dorfmarktes verkaufen können.  

Landlose brauchen mehr Hilfe

Bei den Bauern, die kein oder kaum Land besitzen – von Zugtieren, die ihnen bei der täglichen Arbeit zur Seite stehen, ganz zu schweigen – ist ein bisschen mehr Unterstützung nötig. Auf der sozialen Leiter stehen sie zuunterst und müssen reicheren Bauern teils happige Mieten zahlen, um Land und Tiere für den Anbau eigener Lebensmittel nutzen zu dürfen. Nachdem die ADD den Kleinbauernfamilien Nutztiere zur Verfügung gestellt hat, bessert sich ihre Situation merklich und sie können sich langsam aus der Abhängigkeit der Landbesitzer und Kreditgeber lösen. Dank dem als Dünger verwendeten Mist werfen die Felder zudem mehr ab.

Kredite schaffen Unabhängigkeit

Der Zugang zu fairen Krediten gibt vor allem den Frauen die nötige Luft, sich nicht mehr ständig nur für die Bewältigung der allerdringlichsten Herausforderungen abzurackern. Sie können sich nun auf Tätigkeiten verlegen, die der Familie ein paar Kyats in die Kasse spülen, um zum Beispiel das Schulgeld für die Kinder zu bezahlen.

Die Bäuerin Si Mar Sai erzählt: “Ich habe von SWISSAID eine Sau erhalten, welche im Jahr darauf sechs Ferkel geworfen hat. Drei davon habe ich verkauft und damit 105‘000 Kyats (120 US-Dollars) verdient. Das reicht, damit ich meine Kinder in die Schule schicken kann. Den Schweinemist verwende ich als Dünger in meinem Garten.“ Kleintierzuchten und die Anlage von Gemüsegärten beim Haus sind Elemente, die den Familien schon nach kurzer Zeit viel bringen und sich ideal ergänzen: Im Garten werden nicht nur Lebensmittel angebaut, sondern auch Grünfutter für die Säue. Deren Dung wiederum sorgt dafür, dass in den Beeten alles üppig wächst und gedeiht. 

Das Tierwohl vor Augen

In Kursen lernen die Züchterinnen und Züchter alles Wissenswerte zur Tierhaltung. Einige Bäuerinnen und Bauern lassen sich zudem zu lokalen Tierärzten ausbilden, die alle Tiere impfen und im Bedarfsfall bei den Familien vorbeigehen. Die Züchterinnen wissen: Damit die Säue Glücksschweinchen bleiben, ist es wichtig, gut zu ihnen zu schauen.  

 

 

 

Projektcode: MY 2/14/04

Partnerorganisation: Anglican Development Organization

Projektdauer: 2.5 Jahre

Begünstigte: 7‘600 Frauen und Männer

Projektkosten: 106‘444 Franken