ChemChina schluckt Syngenta: Gefahr für eine nachhaltige Landwirtschaft weltweit

ChemChina schluckt Syngenta: Gefahr für eine nachhaltige Landwirtschaft weltweit

Bern/Lausanne, 5.4.2017. Der heutige Entscheid der EU-Kommission, die Übernahme des Schweizer Agro-Konzerns Syngenta durch den chinesischen Markt-Riesen ChemChina zu bewilligen, ist eine schlechte Nachricht für Bäuerinnen und Bauern sowie Konsumentinnen und Konsumenten auf der ganzen Welt. SWISSAID protestiert vehement gegen diesen Beschluss und hofft weiterhin auf ein Ende der Übernahmeverhandlungen.

Da waren’s nur noch drei: Der Entscheid der EU-Kommission ist in einer Reihe mit der letzte Woche bewilligten Fusion der beiden amerikanischen Konzerne Dow Chemical und DuPont sowie der geplanten Übernahme von Monsanto durch Bayer zu sehen.

Stimmen die Wettbewerbskommissionen auch noch dem Bayer-Deal zu, sind es gerade noch drei Agrochemiekonzerne, die fast 70 Prozent des globalen Pestizidmarktes und mehr als 60 Prozent des kommerziellen Saatguts kontrollieren – mit verheerenden Gefahren für die Landwirtschaft. SWISSAID hat deshalb gemeinsam mit weiteren Nichtregierungsorganisationen im Februar 2017 in einem offenen Brief an die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager vor den Folgen dieser Zusammenschlüsse gewarnt.

SWISSAID setzt sich gemeinsam mit lokalen Partnern in neun Projektländern für Ernährungssicherheit, ökologische Landwirtschaft und die Vermarktung der Nahrungsmittel ein. Sie unterstützt Bauern- und Frauenorganisationen u.a. darin, ihr Saatgut selbständig zu züchten und weiterzuentwickeln. Doch die durch die Fusionen entstehende Marktkonzentration im Agrar-Bereich bedroht die Existenz von Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern in den Ländern des Südens. Die Agrar-Multis entscheiden nicht nur darüber, was die Bauernfamilien anbauen sollen, sie bestimmen auch einen Grossteil der Forschungsin5.vestitionen, beeinflussen Regierungen und besitzen durch Patente auf Pflanzen die Grundlage der Ernährung selbst. Schon heute ist die Abhängigkeit von teurem Saatgut und Pestiziden ein enormes Problem, das sich in der Verschuldung der Landbevölkerung, resistentem Saatgut, Umweltverschmutzung und Gesundheitsproblemen äussert. Nach der Fusion von Syngenta und ChemChina dürfte der Verkauf von patentiertem, hybridem Saatgut und dem dazugehörigen Düngemittel weiter massiv zunehmen.

SWISSAID wehrt sich weiterhin gegen die drohende Machtkonzentration im Bereich Landwirtschaft und hofft auf einen Abbruch der Syngenta-Übernahme in den noch ausstehenden kartellrechtlichen Verfahren durch die indischen, mexikanischen und chinesischen Behörden.

Weitere Auskünfte:

Caroline Morel, Geschäftsleiterin SWISSAID, 079 208 75 17

Bild: Friends of the Earth Europe