ChemChina schluckt Syngenta: Ein letztes Aufbäumen gegen die „höllische Hochzeit“

 ChemChina schluckt Syngenta: Ein letztes Aufbäumen gegen die „höllische Hochzeit“

Basel, 26. Juni 2017. Anlässlich der letzten GV von Syngenta nutzte SWISSAID die Gelegenheit, noch einmal auf die Gefahren der extremen Konzentration im Agrobusiness hinzuweisen. Denn die Übernahme des Basler Agrochemie-Konzerns durch das chinesische Staatsunternehmen ChemChina ist nicht der einzige Mega-Deal in der Branche: Durch drei weitere Fusionen werden es bald nur noch drei Firmen sein, die den Weltmarkt für Saatgut und Pestizide kontrollieren. Die Zeche für diese Machtkonzentration zahlen auch die Bäuerinnen und Bauern in den ärmsten Ländern dieser Welt.

43 Milliarden US-Dollar legte der staatliche Chemieriese ChemChina auf den Tisch, um sich die Übernahme des Basler Konzerns Syngenta zu sichern. Es ist die grösste Akquisition eines chinesischen Unternehmens überhaupt – und eine, von der sich die Chinesen viel versprechen. Mit dem Zukauf sichert sich das Staatsunternehmen nicht nur Zugang zu Technologien und Patenten, sondern auch das Rüstzeug, um in den für die Versorgung der 1,37 Milliarden Einwohner entscheidenden Saatgutmarkt vorzudringen.

Zusammen mit den geplanten Fusionen von Dow Chemical und DuPont sowie Bayer und Monsanto schrumpft der globale Agrochemiemarkt nach der Übernahme von Syngenta durch ChemChina in naher Zukunft auf nur noch drei Player. Je nach Auflagen der Wettbewerbsbehörden werden sie gemeinsam bis zu 70 Prozent des globalen Pestizid- und 60 Prozent des Saatgutmarktes kontrollieren. Und während sich Aktionäre und Konzernleitungen die Hände reiben, zahlen die Kleinbauernfamilien in den Entwicklungsländern den Preis für diese Entwicklung: Sie geraten noch mehr in die Abhängigkeit von patentiertem Saatgut und Düngemittel und sind der Preisgestaltung der Agrarchemiekonzerne oftmals ausgeliefert.

Mit einer Aktion vor der Syngenta-GV in Basel macht SWISSAID auf diese Gefahren aufmerksam. Die symbolisch dargestellte „höllische Hochzeit“ von Syngenta und ChemChina auf einem von Bäuerinnen und Bauern aus aller Welt gezogenen Wagen benennt die Opfer dieser gigantischen Übernahme klar.

Dabei gäbe es Alternativen: SWISSAID setzt sich in ihren neun Einsatzländern in Afrika, Asien und Lateinamerika seit Jahren für eine Stärkung der bäuerlichen Saatgutsysteme und eine agroökologische, ressourcenarme und einträgliche Landwirtschaft ein, mit der sich Kleinbauernfamilien die Grundlage ihrer Ernährung nachhaltig sichern können.

Deutliche Worte fand auch Fabian Molina von SWISSAID vor den Syngenta-Aktionärinnen und -Aktionären: „Die enorme Machtkonzentration im Agrobusiness ist eine Gefahr für die nachhaltige Entwicklung in den ärmsten Ländern. Patentiertes Saatgut und vergiftete Böden sind schädlich für Mensch und Umwelt. Wir fordern Syngenta auf, ihre Verantwortung für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion trotz der Übernahme wahrzunehmen.“

Weitere Informationen:

  • Fabian Molina, SWISSAID, 079 781 12 28