CFS 37: Bauern unterstützen − Ernährung sichern

Weltweit sind die Lebensmittelpreise hoch und unterliegen starken Schwankungen. Für Kleinproduzentinnen und arme Konsumenten bedeutet das in vielen Fällen mehr Armut und Hunger. Gleichzeitig sind finanzkräftige Regierungen, Firmen und Investoren weltweit daran, riesige Flächen guten Ackerlands zu pachten oder zu kaufen. 50-80 Millionen Hektar sind vor allem in Afrika diesem Landgrabbing bereits zum Opfer gefallen. Das höchste Gremium für Ernährungssicherheit, das "Committe on World Food Security", rang um Konsens.

 

Zivilgesellschaft diskutiert mit

An seiner 37. Sitzung vom 17.-22. Oktober 2011 rang das "Committee on World Food Security" (CFS) in zähen Verhandlungen darum, wie nationale Regierungen und internationale Organisationen diese Herausforderungen am besten meistern können. Mit einer Reform des CFS wurde vor zwei Jahren erstmalig ein Gremium geschaffen, wo neben Regierungsdelegationen auch multilaterale Agenturen, der Privatsektor und die Zivilgesellschaft über internationale Initiativen, Strategien und Massnahmen für Ernährungssicherheit diskutieren und abstimmen.

Alle Akteure einbeziehen

Dieser vorbildlich demokratische Ansatz des höchsten globalen Gremiums für Ernährungssicherheit, alle wichtigen Akteure einzubeziehen, macht die Verhandlungen jedoch nicht leichter. Schon der erste Programmpunkt, die Verabschiedung freiwilliger Richtlinien für einen verantwortlichen Umgang mit Nutzungs- und Zugangsrechten zu Land, Wald und Fischgründen, musste verschoben werden. Die Zeit reichte schlicht nicht aus, um Konsens in allen Punkten zu erreichen.

Für die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die die Erarbeitung dieser Richtlinien seit gut einem Jahr aktiv mitgestalten, ist es dennoch ein Erfolg, drei Viertel des Textes vereinbart zu haben. Der Zugang zu Land, Wald und Fischgründen gehört seit Jahrzehnten zu einem der konfliktreichsten Politikbereiche überhaupt.

Richtlinien als Instrument gegen Landgrabbing

In Ländern wie Kolumbien ist der Konflikt Hintergrund blutiger Bürgerkriege. Nicht zuletzt besteht die Hoffnung, mit diesen Richtlinien ein geeignetes Instrument in der Hand zu haben, um dem gefährlichen Landgrabbing etwas entgegen zu setzen.

Auch um die zu verabschiedenden Empfehlungen des CFS wurde hart verhandelt. Kaum ein Land zweifelte die herausragende Rolle der Frauen für die Ernährungssicherheit weltweit an, doch in den Verhandlungen schien nur Wenigen an wirklichen Veränderungen gelegen zu sein.

Staatliche Unterstützung für Agrotreibstoffe sofort streichen

Zwei am CFS vorgestellte Expertenberichte zu Preisvolatilität und Investitionen in die Landwirtschaft scheuten sich nicht, hoch politische und kontroverse Forderungen zu stellen. So müsse das internationale Agrarhandelssystem neu an der Ernährungssicherheit ausgerichtet werden und die staatliche Unterstützung für Agrotreibstoffe in der EU, den USA und Brasilien sei sofort zu streichen. Sie stiessen jedoch - wenig erstaunlich - auf heftigen Widerstand der Länder, die von eben diesen Systemen profitieren.

Der Expertenbericht zu Investitionen in die Landwirtschaft räumte mit einigen hartnäckigen Mythen auf. So zum Beispiel, dass das Landgrabbing als Investition in die Landwirtschaft auch positive Auswirkungen auf die armen Länder habe.

Kleinbauern investieren Arbeit und Kapital

Nur 20 Prozent des Agrarlandes, das innerhalb der letzten Jahre grossflächig verpachtet wurde, wird auch tatsächlich zur landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt. Ebenso ist dem Bericht zu entnehmen, dass die Kleinproduzenten die grössten Investitionen in die Landwirtschaft tätigen: Sie investieren sowohl Arbeit, Material und Kapital.

Vergleichende Zahlen aus Brasilien zeigen, dass kleinbäuerliche Produzenten im Schnitt pro Hektar doppelt soviel in ihr Land investieren, wie industrielle Produzenten. Das Pachten oder Aufkaufen grosser Agrarflächen hingegen dürfe nicht mit Investitionen in die Landwirtschaft verwechselt werden.

Strategien an den Bedürfnissen der Betroffenen ausrichten

Aus Sicht von Alliance Sud ist das Komitee für Ernährungssicherheit ein ausgesprochen wichtiger Mechanismus, um internationale Strategien und Massnahmen endlich an den Bedürfnissen der Betroffenen auszurichten und auf höchster Ebene zu koordinieren. Denn erstmalig sind diejenigen, über deren Stärkung und "Rettung" debattiert wird, an dieser Debatte beteiligt.

Tina Goethe nahm für Alliance Sud und SWISSAID als Mitglied der Schweizer Delegation an der Konferenz des CFS 37 vom 17.-22. Oktober 2011 in Rom teil.