Peter Brabeck – Freund des Wassers?

Peter Brabeck – Freund des Wassers?

Die Äusserungen von Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck am WEF sind an Deutlichkeit nicht zu übertreffen: «Das Recht auf Wasser ist ein Menschenrecht, und zwar im Umfang von 25 Litern pro Person und Tag, (...) das zählt für 1,5 Prozent des Wasserverbrauchs. Die übrigen 98,5 Prozent dürfen nicht als Menschenrecht bezeichnet werden.» Gehören diese 98,5 Prozent also Nestlé? Man ist auf jeden Fall versucht, sich diese Frage zu stellen.

Man weiss, dass Nestlé nicht aus Menschenliebe handelt, sondern für das Business. Man weiss auch, dass sich der Gründer der Firma, Henri Nestlé, bereits 1843 in der Mineralwasserproduktion versuchte. 2012 hat sein ferner Nachfolger einen Gang höher geschaltet. Wasser bedeutet für Nestlé über 10 Milliarden Jahresumsatz, fast 20 Prozent Weltmarktanteil und 72 Wassermarken. Ein lukrativer Markt also. Das Problem liegt darin, dass die Ressource Wasser immer knapper und damit immer umkämpfter wird. Was tun? Nestlé, der globale Multi, hat eine eigene Vision, eigene Lösungen und einen eigenen Kommunikationsplan: 1) die eigentlichen Schuldigen benennen, unter anderem die subventionierten Landwirte; 2) gleichzeitig betonen, dass Trinkwasser in Flaschen weltweit einen verschwindend kleinen Anteil ausmacht, und dessen Vorzüge hervorheben; 3) sich als verantwortungsbewusstes und sozial engagiertes Unternehmen darstellen, dies mit Hilfe verschiedener Public-Private-Initiativen der Weltbank, die den «Wassersektor verwandeln sollen».

Schön und gut, aber wie sieht es in der Realität aus? Der vor kurzem uraufgeführte und von einem sehr verärgerten Nestlé-CEO als ideologisch bezeichnete Film «Bottled Life» zeigt eine etwas andere Sicht des Unternehmens: räuberisch, arrogant und unverantwortlich, weit entfernt vom musterhaften Bild, das es um jeden Preis zu vermitteln versucht (vgl. auch Le Courrier vom 21. Januar 2012).

30 Jahre nach dem Milchpulverskandal tritt der Multi aus Vevey im neuen Gewand als Verkäufer von Wasser auf. Es ist an der Zeit, dass Nestlé sein Handeln auf sein Reden abstimmt und seine wirtschaftlichen Ziele auf seine Pflicht zur Beachtung der Menschenrechte. Auch für die Schweiz ist es an der Zeit, dass sie für die hier ansässigen Unternehmen verbindliche Gesetze in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte und den Umweltschutz verabschiedet.

Marguerite Contat Hickel
Präsidentin des Vereins SWISSAID Genf