«Blaue Schulen» für ein rosigeres Leben

Engagiert für die Gesundheit: In der ländlichen Gemeinde N'Gonga, Niger, lernen Kinder zwischen Mathematik- und Erdkundeunterricht, wie wichtig Händewaschen für ihre Gesundheit ist. In Schulgärten bauen sie ausserdem ihr eigenes Gemüse an.

Die ländliche Gemeinde N'Gonga im Westen des Niger wird vom Dallol Bosso durchquert, einem 350 km langen Wadi. Der Grundwasserspiegel der Region liegt je nach Gebiet bei 4 bis 10 Metern. So verfügt die Region trotz unvorhersehbarer Regenzeiten und zunehmender Dürre über ein grosses Wasserpotenzial.

Fehlzeiten und Krankheiten

Trotzdem haben in N'Gonga nur 30% der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser und 25% zu Latrinen, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung hat – besonders für die Kinder. «Sauberes Trinkwasser ist knapp. Allein im vergangenen Jahr haben wir 531 Menschen, darunter viele Kinder, wegen schweren Durchfalls behandelt. Einige überlebten nicht», erklärt Sahadatou Mahamadou. Die 24-Jährige arbeitet als Krankenschwester im Gesundheitszentrum der Gemeinde.

Da es kaum sanitäre Einrichtungen gibt, müssen 90% der Bevölkerung ihre Notdurft im Freien verrichten. Das ist besonders problematisch in Schulen: Die Kinder verlassen den Unterricht, weil sie dringend auf die Toilette müssen. Weil sie dafür weit laufen, kehren sie oft nicht mehr in die Schule zurück. Neben dem Problem der Fehlzeiten verbreiten sich wegen mangelnder Hygiene Infektionskrankheiten. Sie sind ein gewichtiger Grund, weshalb jedes dritte Kind vor seinem 15. Lebensjahr stirbt.

Schulen zur Sensibilisierung

Kinder sind die Zugpferde des Wandels und die Schule ist ein besonders wirkungsvoller Ort, um Bewusstseins- und Verhaltensänderungen zu initiieren. SWISSAID hat sechs Schulen mit Wasserversorgungssystemen, Latrinen und Waschbecken ausgestattet. Kinder werden für Hygiene sensibilisiert, einschliesslich Händewaschen, um das Wachstum von Bakterien zu reduzieren. Die Schülerinnen und Schüler tragen ihr neugewonnenes Wissen weiter zu ihren Familien und Gemeinschaften.

 Die sogenannten «Blauen Schulen» haben die Aufgabe, nicht nur Fehlzeiten und die Vermehrung von Bakterien zu reduzieren, sondern auch die Kinder mit den Themen Wasser, Hygiene und Lebensmittelsicherheit vertraut zu machen. Vorab geschulte Lehrerinnen und Lehrer sensibilisieren die Kinder für die Umwelt, einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und fördern die Gemüseanbauaktivitäten mit der Einrichtung von Schulgärten. Und: Es macht den Kindern Spass – Lehrpersonen berichten, dass die Kinder oft früher in die Schule kommen, um sich um ihre Pflanzen zu kümmern.