Voneinander lernen, miteinander wachsen: Wissensaustausch in Tansania

Voneinander lernen, miteinander wachsen: Wissensaustausch in Tansania

SWISSAID-Mitarbeitende aus zehn Ländern kamen in Tansania zusammen, um sich über den Einsatz ökologischer Landwirtschaftsmethoden auszutauschen. Beim Besuch in einem der führenden Biolandwirtschafts-Zentren Ostafrikas konnten unsere Experten und Expertinnen diskutieren, fachsimplen und voneinander lernen. 

Das war eine gelungene Premiere: Zum ersten Mal fanden SWISSAID-Landwirtschaftsverantwortliche aus der Schweiz und den neun Partnerländern zu einem Treffen zusammen, um sich über den Stand der agroökologischen Landwirtschaft in den Ländern, über Herausforderungen und Strategien zu unterhalten. „Wir alle arbeiten mit unterschiedlichen Lösungsansätzen an gleichen oder ähnlichen Herausforderungen“, sagt Sarah Mader, die das Treffen gemeinsam mit Fabio Leippert von SWISSAID organisierte. „Der Austausch in der Gruppe war hochwillkommen.“

„Der Gemüseanbau in Säcken könnte sich auch in Kolumbien bewähren“

Astrid Alvarez, die Agroökologie-Verantwortliche aus Kolumbien, war beispielsweise beeindruckt vom Gemüseanbau in ausgedienten Getreidesäcken (vgl. Bildstrecke). „Das könnte sich auch an der kolumbianischen Pazifikküste bewähren, wo fruchtbare Erde Mangelware ist.“ Umgekehrt hat auch sie Tipps aus ihrer Heimat mitgebracht. „In Tansania ist mir aufgefallen, dass die Bäuerinnen und Bauern zwar Wert auf grosse Diversität legen und viele verschiedene Gemüse und Früchte nebeneinander anbauen, aber innerhalb der Spezies kaum variieren.“ In Kolumbien würden sie den Maisbauern raten, gleichzeitig fünf bis sechs Varianten auszusäen. „Das ergibt nicht nur eine grössere Vielfalt auf dem Teller, sondern ermöglicht den Kleinproduzenten auch, ihre Pflanzungen gegen Schädlinge und Krankheiten zu wappnen, die Produktionszyklen zu variieren und eine grosse genetische Bandbreite des lokalen Saatguts zu bewahren.“                     

Gute Resultate in kurzer Zeit sind möglich

Der Besuch im Trainingscenter der tansanischen Organisation SAT zeigte der internationalen Gruppe, dass es mit fachlicher Begleitung und einem durchdachten landwirtschaftlichen Ausbildungs- und Beratungssystem möglich ist, innerhalb kurzer Zeit gute Resultate zu erzielen – und zwar selbst unter schwierigen agroökologischen Bedingungen. Gute Resultate bedeutet konkret: Eine grössere Ernte und mehr Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern. Aber auch eine gesteigerte Bodenfruchtbarkeit, weniger Hangerosion und Verbesserungen in der Gemeinschaft und auf institutioneller Ebene. Einige Ländervertreter berichteten, dass manche Bäuerinnen und Bauern bewusst agroökologisch produzieren, um damit einen Beitrag zur Entschärfung des Klimawandels zu leisten – auch das ein ermutigendes Signal.

Schnelle und wissenschaftlich dokumentierte Erfolge sind wichtig

Im Demonstrationsgarten der SAT fielen die Ausführungen auf fruchtbaren Boden. Viele bekannte Techniken konnten gleich vor Ort beobachtet werden. Sarah Mader ist mit dem Treffen sehr zufrieden. „Das Teilen von, Best Practices‘ und Erfolgsgeschichten fand ich sehr bereichernd. Gemeinsam konnten wir neue Ideen entwickeln, um unsere Programme zu verbessern und um noch wirksamer und schneller erfolgreich zu werden.“ Denn schnelle Erfolge sind nötig, um die Bauernfamilien während des Umstiegs von der traditionellen oder konventionellen zur agroökologischen Landwirtschaft bei der Stange zu halten.

Und noch etwas wurde klar: Um die „Best Practices“, also die Erfolgsrezepte aus dem Feld, weiter zu verbreiten, müssen die Methoden vermehrt wissenschaftlich geprüft werden. Nur so kann es gelingen, auch auf politischer Ebene auf mehr Gehör zu stossen.