Bio-Landbau besiegt den Hunger

Dank Biolandbau finden arme Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einen Weg aus Armut und Hunger. Zahlreiche Projekte von SWISSAID zeugen davon. Zum Beispiel die Familie von Fatumata Embaló in Guinea-Bissau: Dank Bio-Zwiebeln, biologischem Dünger und harter Arbeit verfügt ihre Familie heute über genug zu Essen, kann den Kindern eine Ausbildung ermöglichen und im Notfall den Arzt bezahlen.

Ein Radio plärrt, Kinder spielen im Schatten eines Baumes und zwei Frauen in bunter Kleidung stehen diskutierend in einem Garten. Zu ihren Füssen spriessen grüne Stängel aus dem Boden und darunter, verborgen im sandigen Erdreich, wächst heran, was dieses Nachmittagsidyll in der Region Bafatá im ländlichen Guinea-Bissau erst möglich macht: dicke, würzige Zwiebeln. 

Doch der Schein trügt: Bis vor wenigen Jahren war Nahrungsmittelknappheit in der Gegend eine ständige Begleiterin. Die Erinnerung daran ist bei den Frauen noch allzu wach. Das Schalengemüse bedeutet für sie darum viel mehr als ein bisschen Pepp in der eigenen Küche – die Zwiebel ist in Guinea-Bissau ein Grundnahrungsmittel und ihr Anbau eine wichtige Zutat für einen wirkungsvollen und nachhaltigen Kampf gegen den Hunger.

„Sogar für ein Bett hat es gereicht“

Die ausschliesslich von Frauen bewirtschafteten Zwiebelfelder sind Dreh- und Angelpunkt eines Projekts, das SWISSAID in der ländlichen Gegend gemeinsam mit ihrem lokalen Partner Apalcof umsetzt. Dank der Unterstützung im Anbau gelingt es den Frauen, ein kleines Zusatzeinkommen zu erwirtschaften und damit dafür zu sorgen, dass ihre Kinder nie mehr vor leeren Tellern sitzen müssen. „Weil die Felder so viel abwerfen, kann ich Zwiebeln verkaufen und so zu etwas Geld kommen. Damit bezahle ich das Schulgeld für meine Kinder und kaufe ihnen und mir neue Kleider“, sagt die 40-jährige Fatumata Embaló, Zwiebelbäuerin, Palmölhändlerin und Mutter von fünf Kindern. Ihre Freude ist riesig: „Sogar für ein Bett und ein paar Ziegen hat es gereicht.“ 

Apalcof kauft ihren Mitgliedern die Zwiebeln erntefrisch ab und übernimmt die Vermarktung. Der gemeinschaftliche Verkauf hat die Sichtbarkeit des lokalen Angebots stark erhöht. Immer mehr Käufer sind bereit, die Zwiebeln direkt vor Ort einzukaufen – damit entfällt der beschwerliche Transport auf die grossen Märkte in den Städten. 

Ausserdem erhalten die Kundinnen so erstklassige Bio-Ware: Um die Böden zu schonen und die Kosten für den Anbau tief zu halten, bewirtschaften die Frauen ihre Felder ökologisch – also ohne teuren chemischen Dünger oder giftige Pflanzenschutzmittel. Dadurch sinkt die Verderblichkeit der Zwiebel und es fällt mehr ab für die Haushaltskasse. Das birgt Potenzial: Apalcof plant, die Knollen künftig in eigens gebauten Lagerhäusern aufzubewahren und dann auf den Markt zu bringen, wenn das Angebot tief und die Preise hoch sind. 

Da viele Männer aufgrund der fehlenden Perspektive in die Städte abgewandert sind, müssen die Frauen die Verantwortung für Hof und Familie häufig ganz alleine schultern. Der wirtschaftliche Erfolg und die gestiegene Anerkennung der Bäuerinnen sind deshalb Gold wert. 

Die 37-jährige Uma Djau ist begeistert: „Durch Apalcof habe ich gelernt, die Felder mit Kompost zu düngen. Die Zwiebeln wachsen sehr gut, schmecken besser und halten sich länger.“ Heute kann die Witwe problemlos für den Haushalt und die Nahrungsmittel aufkommen, ihre zwei jüngsten Kinder in die Schule schicken und Ziegen züchten, was ihr Einkommen und ihre Unabhängigkeit vergrössert. 

Zwiebeln auf dem Feld – und im Äther

Apalcof ist in der Region seit den frühen 1990er-Jahren ein starker Partner von SWISSAID, der neben der Bekämpfung des Hungers auch die Verbesserung der Lebensumstände der Bauernfamilien anstrebt. So trägt die Organisation mit dem Betrieb eines lokalen Radiosenders dazu bei, dass auch Menschen in abgelegenen Regionen und ohne Lese- und Schreibkenntnisse immer auf dem Laufenden sind. Ratschläge zum ökologischen Zwiebelanbau, Tipps zur chemiefreien Schädlingsbekämpfung und Infos zur Preisentwicklung sind Teil des täglichen Programms. Ausserdem nutzen die Bäuerinnen den Sender, um für ihre Produkte Werbung zu machen. Denn der Wettbewerb ist hart: Der Markt ist überschwemmt von Zwiebeln aus dem nahen Senegal und Import-Produkten aus Holland, wo der Anbau subventioniert ist. Sich zu informieren, zu vernetzen und zusammenzuarbeiten ist darum der einzige Weg, zu einem starken Verhandlungspartner zu werden und den Herausforderungen die Stirn zu bieten.

 

  • Projektnummer: GB 2/12/06
  • Laufzeit: 2014
  • Kosten: 84'303.- Fr.
  • Partnerorganisation: Apalcof
  • Anzahl Begünstigte: 1200 Familien