Bio-Abos für die Städter

Alle zwei Wochen eine Kiste Bio-Gemüse erntefrisch vor die Haustür: Lieferservices boomen nicht nur in Schweizer Städten, sondern auch in Kolumbien. Ein Markt-Abo ist dort ein Statement. Für die Natur, für bewusste Ernährung, für die Stärkung der lokalen Landwirtschaft – und gegen Hunger und Armut im eigenen Land.

Feldarbeit bis zum Umfallen, aber doch nie genug zu essen auf dem Teller: Das war lange die Realität vieler Menschen im kolumbianischen Departement Boyacá. Im Umland des 3000-Seelen-Dorfes Mongua etwa waren Armut, Mangelernährung und sogar Hunger für die Bevölkerung bis vor kurzem bekannte Begleiter. Nachdem die Bäuerinnen dank Landwirtschaftskursen von SWISSAID ihre Produktion auf Bio umstellen, den Verbrauch an Kunstdünger massiv zurückfahren und so die Fruchtbarkeit der belasteten Böden erhöhen konnten, besserte sich ihr Leben. Sie lernten, einfache Gewächshäuser zu bauen, um zarte Pflanzen vor der kalten Andenluft zu schützen. Viele starteten nebenher mit der Zucht von Kaninchen und Schafen. Gemeinsam arbeiteten die Familien ausserdem an einer funktionierenden Trinkwasserversorgung.  Doch die Vermarktung der Ernte blieb schwierig, und ohne Bargeld gibt’s auch in Mongua weder Schulmaterial noch Kleidung.

Hier der Bio-Trend, da die Bäuerinnen

Corpovertice, eine soziale Organisation aus der Gegend, die sich für die Anliegen der Bäuerinnen und Bauern einsetzt, hatte dann die zündende Idee: Direktverkauf in die Städte mit Gemüse-Abos. Der Bio-Trend in der kolumbianischen Ober- und Mittelschicht spielte ihr in die Hände. Corpovertice wandte sich an die von SWISSAID unterstützte Bauernorganisation „Huerta Alto Andino de Mongua“ und fand so 47 Bäuerinnen und 4 Bauern, die gerne ihre Ernteüberschüsse in die Städte verkaufen wollten. Seither kümmert sich die Organisation um die ganze Logistik, prüft die Einhaltung der Bio-Richtlinien und sorgt dafür, dass die Kunden alle zwei Wochen ihr Gemüsepaket erhalten.

Keine Zwischenhändler

Für die Bäuerinnen und Bauern hat der Lieferdienst nur Vorteile: Sie müssen nicht in die Städte fahren, um ihre Ware zu verkaufen und sind auch nicht mehr auf die teuren Dienste von Zwischenhändlern angewiesen. Vor allem haben sie die Sicherheit, dass ihre Ernte Abnehmer findet und einen fairen Preis erzielt. Auch für die Konsumenten geht die Rechnung auf: Sie zahlen gleich viel wie im Supermarkt für konventionelle Lebensmittel, erhalten dafür aber frische Bio-Produkte direkt an die Haustür.

Alte Sorten neu entdeckt

Noch etwas hat sich verbessert seit der Einführung der Bio-Abos: Die Bauern produzieren wieder vermehrt alte Gemüsesorten und rücken ab vom Kartoffel-Monopol auf ihren Feldern. Das entspricht nicht nur der Nachfrage der Kundschaft, sondern tut auch dem Boden gut. Vor allem aber wird die Ernährung der Bauernfamilien abwechslungsreicher und gesünder, Mangelernährung verschwindet zusehends.

Nachhilfe bei der Zubereitung

Eier, verschiedene Kohlarten, Broccoli, Blumenkohl, Spinat, Orangen, Käse, Artischocken, Randen, Räben und traditionelle Wurzelgemüse aus den Anden – der Inhalt der Lieferung kann sich sehen lassen. Doch wie werden die eher ungewöhnlichen Gemüse zubereitet? Corpovertice organisiert Degustationen und liefert Informationen und Rezepte. Hier ein adaptiertes Rezept für Ofengemüse, das mit Schweizer Gemüse nachgekocht werden kann. Pro Specie Rara zum Beispiel bietet viele alte Sorten in Bio-Qualität. Das Ofengemüse eignet sich besonders gut als Beilage zu Fleisch, Fisch oder gegrilltem Käse in der kalten Jahreszeit.

 

Rezept: Ofengemüse à la Colombienne

Rezept für 4 Personen

  • 800 – 1000 Gramm Wintergemüse, z.B. verschiedene Sorten Karotten, Randen, Pastinaken, Kürbis, Zwiebeln, Fenchel und fast jedes andere Wurzelgemüse, das Ihnen begegnet. Schälen, rüsten und in grobe Schnitze schneiden.
  • 1 – 2 Birnen, nach Belieben, in grossen Schnitzen
  • 2 Zweige Thymian oder Rosmarin
  • 5 EL Olivenöl

Salz, Pfeffer

Ofen auf 200 Grad vorheizen, Gemüse mit allen anderen Zutaten gut verrühren. Im Ofen ca. 45 Minuten rösten. Wer nicht möchte, dass sich die anderen Gemüse rot verfärben, legt die Randenstücke an den Rand. Je nach Ofen gelegentlich wenden und gegen Ende der Garzeit mit Alufolie abdecken. Servieren und geniessen.