Schluss mit Hunger dank Biolandbau

Das Leben an der kolumbianischen Pazifikküste ist geprägt von Armut, Gewalt und Mangelernährung. Ein Lichtblick bietet die Umstellung auf den biologischen Landbau.

In schmalen Einbäumen staken die Bäuerinnen und Bauern mit langen Stecken die Flussläufe hoch. Um ihre Parzellen weiter oben entlang des Flusses zu erreichen, sind sie stundenlang unterwegs. Mit dabei sind Macheten, Kochtöpfe, Kleinkinder, Hunde und Lebensmittel. Sie werden die nächsten zehn Tage mit anderen Mitgliedern der Vereinigung AAVAL in einer einfachen Palmhütte verbringen und gemeinsam die Felder bewirtschaften. Es ist harte Knochenarbeit: Die Parzellen müssen vom schnell wachsenden Unkraut befreit und die Ernte eingebracht werden. Dafür braucht es viele Hände. „Wir bearbeiten jeweils ein Feld gemeinsam, das geht schneller und wir können uns gegenseitig anspornen“, sagt Maria Galizia, Schatzmeisterin der Organisation.

Gemeinsam erfolgreich anbauen

Jede der 30 Familien verfügt über ein Feld von ein bis zwei Hektar, auf dem sie vor allem lokale Reissorten pflanzen. Daneben grünen auch Yucca, Zuckerrohr, Kochbananen und anderes Gemüse. Das war nicht immer so. Begonnen hat alles vor fünf Jahren, als sich einige Familien zusammentaten, um ihre Landwirtschaftsprodukte auf dem lokalen Markt zu verkaufen. Am Ort waren zu jener Zeit bloss Lebensmittel aus anderen Landesteilen erhältlich. Selbst Reis und das wenige Gemüse wurden aus der nächstgrösseren Stadt Buenaventura angeliefert.

Zuerst wurden unter den Bauern Austauschbesuche und Kurse im ökologischen Landbau organisiert. Mit Erfolg: Heute bekämpfen die Bauern Krankheiten und Schädlinge auf ihren Parzellen mit biologischen Methoden und Pflanzenschutzmitteln. Zudem haben die Bäuerinnen erfolgreich auf Mischkulturen umgestellt. Der Einsatz von organischem Dünger verbessert die Bodenfruchtbarkeit. "Dank dem Biolandbau haben sich unsere Erträge fast verdoppelt, und der Boden bleibt fruchtbar", sagt die Kleinbäuerin Sixta Tulia Rivas. Was noch fehlt: Fruchtbäume sollen auf den Feldern für noch grössere Vielfalt sorgen.

Einkommen dank Reismühle

Zudem konnte eine kaputte Reismühle im Dorf – das Wahlgeschenk eines Politikers – wieder in Gang gebracht werden und gehört inzwischen der Vereinigung. 35 Tonnen Reis mahlten die Mitglieder von AAVAL damit bereits und erwirtschafteten so 14 000 Franken. Aber es fehlt immer noch an einer geeigneten und kostengünstigen Vorrichtung, um den Reis im feucht-heissen Klima zu trocknen. Die bisherige Trocknungs-Methode hat im Zeitalter des Autos ausgedient: Sie bestand darin, die Körner auf den ungeteerten Strassen auszubringen. Geplant ist ein Pilotversuch mit einer Trocknungsvorrichtung auf Rollen, die mit einem starken Plastikverdeck versehen ist, das sich je nach Witterung ein- oder ausfahren lässt.

Die Vereinigung AVAAL setzt alles daran, die Vertriebskanäle zu erweitern. Zwar steckt der Tourismus in dieser traumhaften Gegend noch in den Kinderschuhen. Doch zählen bereits einige Restaurants zum festen Kundenstamm der Kleinbauernfamilien.

Projektcode: KO/2/14/01 

Projektkosten: 100'478 Franken

Projektdauer: Bis 2015

Begünstigte: 945 Frauen, Männer und Kinder