Bauernverband und Hilfswerke fordern bessere Marktposition für Familienbetriebe

Bauernverband und Hilfswerke fordern bessere Marktposition für Familienbetriebe

Freiburg, Bern/3. Januar 2014. Familienbetriebe produzieren 70 Prozent aller Nahrungsmittel und ernähren damit den Grossteil der Menschheit. Zum Auftakt des UNO-Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe fordern der Schweizer Bauernverband, SWISSAID und Helvetas die Stärkung der Marktposition von Bauernfamilien, um diese Versorgung zu sichern – in der Schweiz und weltweit. Die drei Organisationen wollen im Verlaufe des Jahres mit verschiedenen Aktivitäten auf Bedeutung, Bedürfnisse und Herausforderungen der Familienbetriebe aufmerksam machen.

Christian und Isabelle Menoud und ihre Familie kümmern sich um 70 Milchkühe, 120 Aufzuchttiere und 60 Hektaren Boden im Hügelgebiet des Greyerzerlands. Das ist für Schweizer Verhältnisse zwar ein relativ grosser Hof. Doch bäuerliche Familienbetriebe sind in der Schweizer Landwirtschaft wie in den meisten Ländern des Südens nach wie vor die Regel. Weltweit produzieren sie 70 Prozent aller Lebensmittel. Um ihren vielfältigen Leistungen und Sorgen Beachtung zu verschaffen, hat die UNO 2014 zum Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe erklärt. Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) sowie die Hilfswerke SWISSAID und Helvetas haben den aktuellen Situationsbericht 2013 dem „Erfolgsmodell bäuerlicher Familienbetrieb“ gewidmet und diesen heute auf dem Hof der Menouds im freiburgischen Romanens vorgestellt.

Der Bericht zeigt die Bedeutung der bäuerlichen Familienbetriebe in der Schweiz wie in den Ländern des Südens auf. Eine der Stärken von Familienbetrieben ist ihre nachhaltig ausgerichtete Produktion. Die Eltern sind bestrebt, ihren Hof auf finanziell gesunden Beinen und mit intakten natürlichen Ressourcen weiterzugeben. Die UNO wolle mit dem Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe auf deren Potential hinweisen, um den Hunger auf der Welt zu bekämpfen und die natürlichen Ressourcen zu schonen, erklärte SBV-Präsident Markus Ritter. Zudem sind Familienbetriebe das wirtschaftliche und gesellschaftliche Rückgrat vieler ländlicher Regionen. Sie verfügen aber meist über beschränkte Ressourcen wie Land oder Kapital und ihre Marktposition gegenüber global operierenden Agrarkonzernen ist relativ schwach. „Aus diesem Grund lanciert der SBV 2014 die Initiative für Ernährungssicherheit“, erklärte SBV-Direktor Jacques Bourgeois. „Wir müssen auf verschiedenen Ebenen ansetzen, um die Situation unserer Familienbetriebe zu verbessern und damit unsere Ernährungssouveräntiät zu erhalten.“

In Entwicklungsländern kommen weitere Herausforderungen wie der Kampf um Land – Stichwort Landgrabbing – fehlender Zugang zu Märkten, die Folgen des Klimawandels sowie der Konzentrationsprozess auf den Agrarmärkten hinzu. Als Gegenmittel forderte SWISSDAID-Präsident Rudolf Rechsteiner die Stärkung der Rechte von Bauernfamilien an ihrem eigenen Saatgut gegenüber globalen Saatgutkonzernen sowie die konsequente Umstellung auf biologische Anbaumethoden. Peter Schmidt, Agronom und Abteilungsleiter bei Helvetas, wies auf die Bedeutung gerechterer Handelsbeziehungen hin, welche Bauernfamilien im Süden neue Absatzkanäle eröffneten. „Über den Kauf von Fairtrade-Produkten könnten alle etwas zu einer gerechteren Landwirtschaft und Armutsbekämpfung beitragen“, so Schmidt.

Anhand von Betrieben aus der Schweiz, Honduras, Bolivien, Tschad, Kirgistan und Indien stellt der Situationsbericht 2013 die unterschiedlichen Rahmendbedingungen sowie generelle und individuelle Lösungsansätze vor. Diese zeigen: Jeder Betrieb ist anders, aber ihre Probleme sind ähnlich. Fünf der portraitierten Betriebe geben zusammen mit 25 weiteren Betrieben aus der ganzen Schweiz im Rahmen der facebook-Aktion „Mein Bauer. Meine Bäuerin“ während des ganzen Jahres einen Einblick in ihr Leben (www.meinbauer.ch). Die Hauptaktivitäten zum UNO-Jahr in der Schweiz sind nachstehend zu finden, weitere kleinere und regionale Projekte auf der Internetseite www.familyfarming.ch.
 

Aktivitäten zum UNO-Jahr in der Schweiz

  • „Mein Bauer. Meine Bäuerin“: 27 Schweizer Bauernfamilien und drei aus Entwicklungsländern berichten seit dem 1. Januar während zwölf Monaten mit Bildern und Texten auf facebook über ihre Arbeit und ihr Leben: www.meinbauer.ch oder www.meinebaeuerin.ch.
  • Bäuerinnendialog: Bäuerinnen aus Myanmar, Tschad, Kolumbien und der Schweiz unternehmen gemeinsam eine landwirtschaftliche „Tour de Suisse“ mit einem Schlusspunkt am Tag der Bäuerin an der OLMA.
  • Nationale Tagung: Unter dem Patronat von CNS-FAO diskutieren Fachleute und Bauernfamilien am 27. Juni in Grangeneuve FR das Modell „Familienbetrieb“ und erarbeiten Vorschläge, wie dieses für die Zukunft weiterentwickelt werden kann.

Die Aktivitäten zum UNO-Jahr koordiniert ein Komitee, bestehend aus verschiedenen Organisationen, die sich für die Anliegen der Bauernfamilien in der Schweiz oder in Entwicklungsländern einsetzen: Neben dem Schweizer Bauernverband, SWISSAID und Helvetas sind dies der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband und die Arbeitsgemeinschaft für die Schweizerischen Berggebiete. Das Bundesamt für Landwirtschaft und die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit unterstützen die Aktivitäten, als Hauptsponsoren konnten Raiffeisen und Coop gewonnen werden.


Rückfragen:

  • Sandra Helfenstein, Leiterin Kommunikation Schweizer Bauernverband, Mobile 079 826 89 75
  • Peter Schmid, Agronom und Abteilungsleiter, HELVETAS Swiss Intercooperation, Mobile 079 748 40 84
  • Lorenz Kummer, Mediensprecher SWISSAID, Mobile 079 307 2592

www.familyfarming.ch