Eine Lebensversicherung namens «Piggy»

Im Norden Myanmars (Burma) mussten wegen Konflikten Tausende ihre Dörfer verlassen und in die Nähe der Städte ziehen. Dank Krediten für eine Schweinezucht können sie wieder Tritt fassen.

«Piggy» ist ein wahres Prachtstück: Gross, kräftig, gesund und zufrieden grunzend liegt die Sau auf dem Stroh unter Ma Ah Lay Mis Haus. Und die 51-jährige energische Frau spart nicht mit Streicheleinheiten für das kostbare Tier – echten und verbalen: «Piggy» – so nennt sie das graue Borstenvieh mit dem hängenden Bauch und den langen Ohren – «Piggy sorgt dafür, dass meine Familie ein anständiges Leben hat.» Sagts und fährt der Sau zärtlich über den Rücken.

Mah Ah lebt im Eight Mile Village, einem Dorf acht Meilen von Myiktyina entfernt, der Hauptstadt von Kachin State im Norden Myanmars. Kachin ist der einzige Gliedstaat des Landes, in dem noch kein Waffenstillstand zwischen ethnischen Minderheiten und der Zentralregierung geschlossen wurde. Der Konflikt schwelt auf kleinem Feuer, doch in den
letzten Jahren mussten Tausende aus ihren Dörfern fliehen und in die Nähe der Städte ziehen.

Seit 2011 unterstützt im Eight Mile Village die «Myiktyina Lisu Baptist Organisation» (MLBA). Die Partnerorganisation von SWISSAID unterstützt die geflüchteten Menschen dabei, wieder Tritt zu fassen. Viele haben keine Schulbildung; in ihrer früheren Heimat arbeiteten sie entweder in Minen oder als Soldaten für eine der Konfliktparteien. Zuerst kommen sie meist bei Verwandten unter, danach müssen sie jedoch auf eigenen Beinen stehen. 

Kurse in Schweinezucht

Das Volk der Lisu praktizierte neben Kleinstlandwirtschaft vor allem Schweinezucht. Das Projekt der MLBA setzt denn auch an diesem Punkt an und stellt jährlich 20 Familien je 100 000 Kyat (rund 75 Franken) für den Kauf von Schweinen zur Verfügung. Zudem erhalten sie Kurse, wie Schweine in den klimatischen Bedingungen Myiktyinas gehalten werden. Das Geld muss mit Zins zurückbezahlt werden, damit danach weitere Familien profitieren können. 

Die Zuchtstrategie wählen die Begünstigten selber. Mah Ah Lay Mi entschied sich vor zwei Jahren, vom ersten Wurf auch einen Eber grosszuziehen, um ihn anderen Züchtern zum Decken der Sauen anzubieten. Das erwies sich als lukratives Geschäft: Der «Deck-Service» und der Verkauf von Ferkeln brachten ihr bisher rund 150 Franken ein – das Doppelte des Kredits. Das Geld aus der Zucht ist heute die wichtigste Einnahmequelle ihrer fünfköpfigen Familie und macht es möglich, dass alle Kinder zur Schule gehen.

Bisher kein Kreditausfall

Bisher sind knapp 100 Familien in den Genuss eines Kredites gekommen, und alle konnten das Geld wieder zurückzahlen. «Die Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen ist gerade in Konfliktregionen sehr wichtig», erklärt Claire Light, SWISSAID-Koordinatorin in Myanmar, den Erfolg. Dazu gehört auch, dass die betroffenen Männer und Frauen die Gestaltung des Hilfsprojekts selber bestimmen, denn sie wissen selbst am besten, was sie brauchen. «In schwierigen Situationen kann man sich oft nur auf sich selbst verlassen. Und dies ist in Konfliktregionen noch wichtiger als anderswo», sagt Light.

Projektcode: MY 02/15/03

Projektdauer: 2,5 Jahre

Projektkosten: 91‘166.- Franken

Begünstigte: 5800 Männer, Frauen und Kinder in 40 Dörfern