Zweite Konferenz der gentechfreien Regionen: Nationale Gesetze für GVO-Anbauverbote gefordert

Zweite Konferenz der gentechfreien Regionen: Nationale Gesetze für GVO-Anbauverbote gefordert

Welche Gefahren drohen, welche Alternativen gibt es zur Gentechnologie? Diese Fragen beschäftigten die Teilnehmer der zweiten Internationalen Konferenz zur Gentechnologie Anfang Mai in Berlin. Die Konferenz gipfelte in der „Berlin Declaration“, die eine Stärkung der gentechfreien Regionen sowie eine verbesserte Deklaration fordert.

„Noch vor ein paar Jahren hatte in Tansania niemand von gentechnisch veränderten Organismen gehört“, sagt Michael Farrelly von TOAM, dem „Tanzania Organic Agriculture Movement“ – eine SWISSAID-Partnerorganisation aus Tansania, die an der Konferenz der gentechfreien Regionen präsent war. „Heute ist es sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Bauern ein grosses Thema.“

Daran ist TOAM nicht ganz unschuldig: Seit einigen Jahren setzt sich die Organisation für die Einhaltung der an und für sich fortschrittlichen Biosicherheitsregeln in Tansania ein. Für gentechnisch veränderte Organismen gilt in der Landwirtschaft eine Haftungsklausel, was Konzernen ein Dorn im Auge ist und dazu führt, dass die Bauern im Land bis heute weitgehend GVO-frei produzieren. „Der internationale Druck auf die Regierung, die Biosicherheitsgesetze zu verwässern, nimmt enorm zu“, stellt Farrelly fest. „Nun müssen wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass die fortschrittlichen Regeln in Tansania nicht über Bord geworfen werden.“

Danube-Soja-Initiative soll weiterentwickelt werden

Solche und ähnliche Probleme und Fragen diskutierten rund 400 Fachleute aus 60 Nationen an der zweiten Konferenz der gentechfreien Regionen vom 6. bis 9. Mai 2015 in Berlin. Die Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Regierungen tauschten sich über die globalen Entwicklungen aus und berieten über eine weitere Stärkung der gentechfreien europäischen Regionen (64 Regionen aus neun europäischen Staaten) sowie einer Weiterentwicklung der europäischen „Danube-Soja-Initiative“, deren Ziel es ist, für Europa gentechfreies Soja zu produzieren.

Hüben wie drüben ähnliche Diskussionen

An den Gesprächen des europäischen NGO-Netzwerks für Gentechnikfreiheit nahmen auch zahlreiche Vertreter afrikanischer Organisationen der Zivilgesellschaft teil, so auf Einladung von SWISSAID Michael Farrelly von TOAM. Für die Vertreter aus dem globalen Süden war es aufschlussreich, aus erster Hand zu erfahren, wie ähnlich die Diskussionen in Europa verlaufen und wie auch hier – entgegen dem erklärten Willen der Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten - versucht wird, gentechnisch veränderte Organismen durch die Hintertür einzuführen.

Die Konferenz gipfelte in der „Berlin Declaration“, deren Hauptforderungen in folgenden Punkten bestehen:

  • Nationale gesetzliche Regelungen für GVO-Anbauverbote
  • Keine Senkung von GVO-Standards durch Freihandelsabkommen (TTIP)
  • Festhalten an der Nulltoleranz – keine Gentech-Verunreinigung in Lebensmitteln und Saatgut
  • Weiterentwicklung der Getechnik-Deklaration bei Lebensmitteln

Neue Gentech-Methoden

Viel Diskussionsstoff boten zudem neue gentechnologische Methoden, die die Gesellschaft in Bezug auf Regulierung und Abgrenzung vor immense Herausforderungen stellen werden. Es gilt, diese weiter zu beobachten und zu diskutieren. Ebenso zeigte sich deutlich, wie wichtig es ist, die weltweit zunehmenden negativen Erfahrungen mit den heutigen gentechnisch veränderten Organismen besonders in Lateinamerika zu dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. 

Bild: Dieter H. Engler/flickr