«Die menschliche Dimension der SWISSAID-Projekte beeindruckt mich»

Bastienne Joerchel (54) ist seit mehr als 20 Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Neben Fabian Molina ist die Westschweizerin neue Co-Präsidentin von SWISSAID. Sie glaubt an die Veränderung, welche die Stiftung zur Bekämpfung der Armut in der Welt leistet. Und sie will alles tun, um dieses Engagement zu unterstützen.

Bastienne Joerchel, was hat Sie veranlasst, das Präsidium von SWISSAID anzutreten?

Die Stiftung liegt mir sehr am Herzen. Was mich besonders überzeugt, sind die beiden Hauptaktivitäten: Einerseits das Handeln vor Ort mit konkreten und nützlichen Projekten, die die Bauernfamilien nachhaltig unterstützen. Andererseits das Handeln hier, um Entscheidungsträger zu beeinflussen und den Bund sowie die Schweizer Bevölkerung in die Verantwortung zu nehmen.

Die Geschichte von SWISSAID ist stark von den Projekten in der Landwirtschaft geprägt. Welches ist Ihre persönliche Verbindung zu diesem Thema?

Von 1998 bis 2008 war ich bei Alliance Sud für den Bereich Internationaler Handel und Landwirtschaft verantwortlich. In Zeiten der Globalisierung und Marktliberalisierung habe ich stets versucht deutlich zu machen, dass die Interessen der Kleinbäuerinnen im Süden und in der Schweiz nicht im Widerspruch zueinander stehen, im Gegenteil. Deshalb identifiziere ich mich voll und ganz mit den Zielen von SWISSAID. Sie wahrt nachhaltig die Interessen der Bauern im Süden in einer von multinationalen Unternehmen dominierten Weltwirtschaft.

Sie engagieren sich schon länger aktiv für SWISSAID. Haben Sie Projekte vor Ort besucht?

Ja, ich bin seit 6 Jahren Mitglied des Stiftungsratsausschusses. Unter anderem habe ich die Aktivitäten von SWISSAID in Ecuador verfolgt. Ich war vor Ort und besuchte Projekte in den Bereichen Agrarökologie und Wasserversorgung. Die nachhaltigen Auswirkungen dieser Projekte auf die Lebensbedingungen von Zehntausenden von Menschen beeindruckten mich sehr. SWISSAID leistet in diesem Partnerland seit 40 Jahren grossartige Arbeit.

Welche Begegnung hat Sie besonders berührt?

Während meiner Reise nach Ecuador trafen wir in Potato, einer kleinen Stadt am Rande des Vulkans Tungurahua, eine Frau, die dank der Unterstützung von SWISSAID in ihrem chemikalienfreien Garten alle Arten von Obst, Gemüse und Getreide anbaut. Mit Hilfe ihrer ganzen Familie macht sie daraus zum Beispiel Käse, Marmelade und Kompotte. Jede Woche verkauft sie ihre Produkte auf dem Markt. Diese Frau konnte sich dank SWISSAID aus eigener Kraft eine neue Existenz aufbauen.  

Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit mit Fabian Molina?

Ich glaube an die kollektive Intelligenz. SWISSAID benötigt dringend einen politischen Akteur wie Fabian Molina, um sich den grossen Herausforderungen auf politischer und parlamentarischer Ebene zu stellen. Ausserdem kann er die jüngere Generation mobilisieren. Ich werde meine Erfahrungen und Fähigkeiten, die ich in den letzten 20 Jahren in Führungspositionen bei NGOs und Non-Profit-Organisationen, hauptsächlich in den Bereichen Finanzmanagement, Fundraising und partizipatives Management erworben habe,  auf strategischer Ebene einbringen. 

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