Bananitos: klein, fein, rentabel

Die kleinen Bananen schmecken der städtischen Mittelschicht von Buenaventura, die sich im Supermarkt eindeckt. Angebaut wird die Delikatesse in der Nähe der Grossstadt von innovativen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die sich so die Zukunft sichern.

Es ist feucht, heiss und unglaublich grün in San Pedro, einem Dorf in der Nähe der Hafenstadt Buenaventura. Die Pazifikküste Kolumbiens zählt zu den regenreichsten Gebieten weltweit, das Pflanzenwachstum ist erstaunlich. Hier gedeiht die «Bananito», eine kleine, köstliche Bananensorte, die in den Supermärkten der grösseren Städte guten Absatz findet.

Für den Anbau und die Vermarktung dieser «Bananito» haben sich 17 Familien (70 Personen) zur Genossenschaft «Coagrita» zusammengeschlossen. Alle Mitglieder sind Nachfahren afrikanischer Sklaven, die sich entlang der zahlreichen Flüsse niederliessen – den wichtigsten Verkehrsadern der Region.

Mit Unterstützung von SWISSAID haben die Genossenschafter in den letzten beiden Jahren auf zehn Hektaren die süsse Frucht angepflanzt. Dies stellt eine grosse Investition dar: Eine Hektare Land kostet 1100 Franken. Zudem müssen die Felder vorgängig vom üppigen Pflanzen- und Baumwuchs befreit und der Boden mit Kalk, Phosphor und Kupfer verbessert werden. Ganz zu schweigen davon, dass die Schösslinge teuer bezahlt und per Boot herbeigeschafft werden müssen.

Mit dem Einbaum ins Dorf

Carlo zeigt stolz seine Parzelle, auf der neben Bananenstauden auch noch andere Nutzpflanzen wachsen, wie Fruchtbäume und eine einheimische Palmenart. Er erzählt, wie er alle zwei Monate das Land von Unkraut befreien muss und organischen Dünger ausbringt. Die bis zu 35 Kilogramm schweren Bananenbüschel trägt er auf dem Rücken zum Ufer des Flusses und transportiert sie mit dem Einbaum ins Dorf. Dort werden sie gewaschen, sortiert und verpackt. Nun möchten die Mitglieder der Produzentengruppe ein zentrales Lagerhaus bauen, wo sie die Ernte für den Verkauf rüsten können. Die Genossenschaft hat bereits einen festen Abnehmer in der Stadt gefunden. Allerdings könnten die Kleinbäuerinnen und -bauern viel mehr verkaufen. Die Plantagen werfen jedoch erst im zweiten Jahr Gewinn ab und erst dann können die Bauern weitere Felder anlegen und die Produktion erhöhen.

Die tiefe Produktion hat jedoch einen weiteren gewichtigen Grund: Die Böden sind sehr nährstoffarm. Den hohen Bedarf an organischem Dünger können die Bauern nur decken, indem sie Kuhdung zukaufen. Dies soll sich nun mit der Aufzucht von Hühnern und Schweinen ändern. Die Kleintierhaltung reduziert den Bedarf von Kuhdung erheblich und verbessert auch die Ernährung der Familien.

Alphabetisierung führt zum Erfolg

Die Genossenschaft ist erst vor kurzem gegründet worden. Deshalb werden Weiterbildungskurse in Buchhaltung und Administration angeboten. Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter müssen Reglemente ausarbeiten, Zuständigkeiten sowie Aufgaben klären. Frauen sind im Leitungsteam noch nicht vertreten, vor allem weil sie weder Lesen noch Schreiben können. Deswegen sind für die nächsten Jahre auch Alphabetisierungskurse geplant.

 

 

Projektcode: KO2/12/10

Dauer: bis Ende 2014

Direkt Begünstigte: 120 Frauen, Männer und Kinder

Kosten: 28'208 Franken