«Der Wald ist Grossvater und Grossmutter in einem»

Sie brauchen den Wald wie Luft und Wasser: Das Volk der Baiga. Wie viele andere Adivasi, wie die Ureinwohner Indiens genannt werden, mussten sie aber lange dafür kämpfen, dass sie ihren eigenen Dorfwald überhaupt nutzen dürfen. SWISSAID hat ihnen dabei geholfen. Jetzt forsten sie auf.

«Wir könnten keinen einzigen Tag ohne Wald überleben», sagt Kanhaiya Lal, 42, und Vater von vier Töchtern. Und er zählt stolz auf: «Der Wald schenkt uns Beeren, Pilze, Blätter, Gemüse zum Essen, Holz für den Hausbau und wenn wir krank sind, Medizinalpflanzen.» Er und seine Familie zählen zum Volk der Baiga, die traditionell vom Wald leben. «Im Wald fühle ich mich zuhause, er gibt uns alles, was wir brauchen.»

«Der Wald gehört uns uns!»

Seit neun Jahren, seit sein Dorf mithilfe von SWISSAID die Nutzungsrechte zugesprochen bekam, «bewirtschaften» er, seine Frau und weitere 95 Familien den Wald von Sinjahar, seinem Dorf in Zentralindien. Mittlerweilen sind es 25 verschiedene Waldprodukte, die die Familien selbst konsumieren oder auf dem lokalen Markt verkaufen und so ein wenig Bargeld erwirtschaften.

Im Waldkomitee bestimmen die Familien des Dorfes selbst, wie sie den Wald nutzen, aufforsten und vor Feuer schützen. Das ist nicht einfach, denn immer wieder müssen sie sich gegen staatliche Übergriffe wehren – verbriefte Nutzungsrechte hin oder her. Jahrzehntelang verwaltete der Staat den Wald nach Gutdünken. Da müssen die Baiga zusammenstehen, wenn sie ihre Rechte gegen die Behörden durchsetzen wollen. «Doch der Wald gehört uns und wir wehren uns!», sagt Kanhaiya Lal.

Monokultur ade

Die Jahrzehntelange monokulturellen Misswirtschaft durch die indische Forstbehörde hat erheblichen Schaden angerichtet. «Die Vielfalt im Wald ist gering», wissen die Baiga. Die staatlichen Holzfäller schlugen jeweils auch die kleinen Bäume im Unterholz und die Kletterpflanzen aus dem Wald. «Doch dort leben sehr viele Tiere und essbare Pflanzen.» Die Baiga haben sich daher daran gemacht, Bäume, seltene Sorten und Schlingpflanzen wieder aufzuforsten.

Das wird seine Zeit brauchen. Doch der Zeithorizont der Baigas ist lang. Sie sagen: «Für uns ist der Wald Grossvater und Grossmutter in einem.»