Auf die Felder gehört Essbares: Kleinbauernfamilien bauen an der Zukunft

Mit den sehr kleinen Anbauflächen, auf denen sie nur Kaffee anbauten, kamen die Bauernfamilien in kolumbianischen Fredonia nie auf einen grünen Zweig. Das hat sich nun geändert.

Hart arbeiten, aber doch nie richtig satt werden: So geht es vielen Kleinbauernfamilien in der kolumbianischen Andengemeinde Fredonia im Departement Antioquia seit Jahren. Weil auf ihren kleinen Feldern nur Kaffee, aber nichts Essbares wächst, können sie sich nicht als Selbstversorger über Wasser halten. Um über die Runden zu kommen, arbeiten viele Männer als Taglöhner auf den grossen Kaffeeplantagen der Region. Wochenlang sehen sie ihre Familien kaum. Das Geld, das sie heimbringen, reicht dennoch nicht, um im Laden genügend Lebensmittel einzukaufen. Mehr als ein Drittel der Kinder zwischen 0 und 5 Jahre in der Gemeinde Fredonia ist chronisch unterernährt. Dass inmitten dieser fruchtbaren Natur Hunger und Armut herrschen, ist verstörend.

Perspektivenlosigkeit und Gewalt

Während die Männer auswärts arbeiten, sind die Frauen mit Kindern, Hof und Feld allein. Schon ein kleines Zusatzeinkommen der Mütter würde die Situation bedeutend verbessern. Aber Einkommensmöglichkeiten gibt es für sie kaum. Sind die Männer im Haus, wird es nicht unbedingt besser: Häufig kriegen sich die Paare in die Wolle. Viele Männer schlagen ihre Frauen.

Prekär ist die Situation auch für die Jugendlichen: Viele gehen nach der Schule nach Medellín oder in eine andere Stadt, um dort Arbeit zu suchen. Fast genauso viele kehren frustriert zurück, weil sie auch dort keine Zukunft finden. Wer kann, arbeitet danach auf dem elterlichen Hof oder als Erntehelfer auf einem grossen Betrieb. Oft genug gibt es aber nichts zu tun. Die jungen Männer und Frauen hängen herum, trinken Alkohol, einige konsumieren Drogen. Viele junge Frauen werden ungewollt schwanger – ohne gesichertes Einkommen und ohne zuverlässigen Partner an ihrer Seite.

Genug zu essen ist eines der ersten Anliegen

2013 schlossen sich 60 Familien aus Fredonia zu einer Vereinigung zusammen, um gemeinsam gegen Hunger und Armut anzukämpfen. Heute nehmen 110 Personen an den monatlichen Versammlungen teil, davon 13 Männer. Weil sie die Hauptverantwortung für den Haushalt tragen, sind die Frauen die Ansprechpartnerinnen von SWISSAID und der kolumbianischen Stiftung Aurelio Llano, die das Projekt mitfinanziert.

Genug zu essen zu haben, ist verständlicherweise eines der dringendsten Anliegen der Kleinbäuerinnen. Schritt für Schritt beginnen sie, die Produktionsweise auf dem Hof umzukrempeln. Sie reichern ihre Monokulturen an, säen Gemüse, Früchte und Getreide für den Eigenbedarf. Kleintiere wie Hühner, Schweine und Kaninchen kommen dazu. Sie dienen als Zuchttiere, natürliche Dunglieferanten und wertvolle Eiweissquellen. So müssen die Bäuerinnen kein Geld für teuren Dünger ausgeben. Vor allem aber gelingt es den Frauen heute immer öfter, ihren Kindern ausreichende und ausgewogene Mahlzeiten aufzutischen.

Mit ökologischem Anbau die Ernte vergrössern

Dank der gestiegenen Ernte ist der Alltag mehr als ein ständiger Überlebenskampf. Die Bäuerinnen können heute sogar ein kleines Zusatzeinkommen erwirtschaften, in dem sie in einfachen Läden selbst zubereitete Nahrungsmittel wie Wurst, Joghurt, gefüllte Teigtaschen oder Webearbeiten verkaufen.

„Wenn, dann richtig“, müssen sich die Mitglieder der Vereinigung gesagt haben. Denn was bringt die schrittweise Umstellung auf eine ökologische nachhaltige Landwirtschaft, wenn nichts gegen die Verschmutzung und den Schutz von Wasserquellen und Bächen getan wird? Und damit wohlgemerkt auch für die Gesundheit: Gemeinsam sorgten die Mitglieder der Vereinigung daher dafür, dass 60 Wasserquellen geschützt und das Abwasser gereinigt wird. In Kursen lernen die Kleinbäuerinnen ausserdem, wie sie ihre Abfälle richtig entsorgen oder weiterverwenden können. Vorher waren Durchfallerkrankungen durch das verschmutzte Wasser sehr häufig. Heute garantieren Stichproben, dass die Qualität stimmt und ohne Bedenken konsumiert werden kann.

Projektcode: KO 02/14/08

Projektdauer: Zwei Jahre

Projektkosten (Anteil SWISSAID): 88‘350 Franken

Anzahl Begünstigte: 110 Familien – also rund 660 Frauen, Männer und Kinder