Lesen, Rechnen, Schreiben: Wie sich das Leben von Frauen grundlegend ändert

Hunderte Frauen lernen dank SWISSAID Lesen, Schreiben und Rechnen. Diese Fertigkeiten verbessern die Zukunftsaussichten der Frauen und ihrer Familien markant. Doch wie läuft der Unterricht ab? Bringt das Gelernte die Frauen weiter? Neloumta Thérèse Koï-Assal, eine der engagierten Lehrerinnen, gibt Auskunft.

SWISSAID: Frau Koï-Assal, wie läuft der Unterricht ab?

Neloumta Thérèse Koï-Assal: Pro Klasse unterrichte ich 30 Frauen, wobei die meisten über 40 Jahre alt sind. Die Kurse finden dreimal die Woche morgens von 7 bis 9.30 Uhr statt. Dies von Januar bis Juni, nachher ist Erntezeit und die Frauen müssen vermehrt auf den Äckern und Feldern anpacken. Leider fehlen uns derzeit die Schulbücher - sie sind nicht einmal in der Hauptstadt erhältlich. Wir machen daher immer wieder Fotokopien unserer Bücher, die vom Erziehungsministerium herausgegeben werden.

Ein straffes Programm. Schaffen es die Frauen regelmässig zum Unterricht?

Die Motivation ist das Allerwichtigste und das fördern wir nach Kräften. Wir setzen weder Druck auf noch braucht es disziplinarische Massnahmen – wir unterrichten hier Erwachsene! Auch Hausaufgaben gibt es nicht. Und wer nach einem Jahr den Übertritt in die nächste Stufe nicht schafft, darf den Kurs wiederholen.

Was lernen die Teilnehmerinnen eigentlich?

Nach einem Jahr können sie bis 100 rechnen. Sie sind in der Lage, Preisschilder zu lesen und den Geldwert von Münzen und Noten zu erkennen. Das ganze Programm dauert drei Jahre. Dann können sie im Spital oder auf einem Behördengang die Schilder lesen und Informationstafeln verstehen – in der Amtssprache Französisch. Zu Hause reden die Frauen eine lokale Sprache. Im Spital und auf den Ämtern müssen sie sich jedoch auf Französisch durchschlagen. 

Wie sieht Ihr Klassenzimmer aus?

Die Nachfrage nach unseren Kursen ist sehr gross und steigt. Das freut unsere Organisation. Vielfach müssen wir jedoch unter dem Mangobaum unterrichten, weil Klassenzimmer fehlen. Ohne Tische und Bänke fällt das Schreiben natürlich doppelt schwer. Wir müssen da das Gespräch mit Kirchen und Volksschulen suchen, die oft einen Raum zur Verfügung stellen könnten.

Weshalb engagieren Sie sich überhaupt in der Alphabetisierung?

Es ist ausgesprochen wichtig, dass die Frauen Lesen, Schreiben und Rechnen können. Sie werden so unabhängiger und selbstsicherer – sie können sich weiterentwickeln. Einige getrauen sich jetzt auch in Versammlungen das Wort zu ergreifen und nehmen an Wahlen teil. In meinen Augen tragen die Kleinkredite und die Alphabetisierungsprogramme am meisten zur Unabhängigkeit der Frauen bei. 

Mehr zum Projekt

Weil das Interesse an den Kursen gross ist, hat SWISSAID die Verlängerung des Projektes beschlossen. Im Unterricht wird nun auch über weibliche Genitalverstümmelung gesprochen, um Mütter und Beschneiderinnen für die traumatischen und manchmal tödlichen Folgen dieser Praktik zu sensibilisieren. Ebenfalls neu ist die Thematisierung der immer wieder aufbrechenden Konflikte zwischen sesshaften und nomadisierenden Viehzüchtern um Futter und Weideland. Im Gespräch wird nach Möglichkeiten gesucht, wie beide Gruppen zufrieden gestellt werden können. 

Bei den 22 Lehrpersonen der Partnerorganisation von SWISSAID (OGFDT) handelt es sich entweder um pensionierte Lehrer oder um die Söhne von Frauen, die erfolgreich das Alphabetisierungsprogramm durchlaufen haben. Die Lehrkräfte werden vom Erziehungsministerium speziell geschult, aber nicht entlohnt. Sie erhalten von der Partnerorganisation eine symbolische Entschädigung, jedoch kein Honorar. Die Teilnehmerinnen entrichten eine monatliche Gebühr von umgerechnet 25 Rappen, was alle aufbringen können. Nicht wenige Teilnehmerinnen engagieren sich später in der Partnerorganisation für die Rechte der Frau. 

  • Projektnummer: TS 2/14/03
  • Laufzeit: 14 Monate
  • Kosten: 37‘333 Franken
  • Anzahl Begünstigte: 1532 Frauen