Bio-Pionier fordert globalen Systemwechsel in der Landwirtschaft

Bio-Pionier fordert globalen Systemwechsel in der Landwirtschaft

Bern, 3. Juni 2015. Warum leiden 800 Millionen Menschen an Hunger, obwohl es genug Nahrungsmittel gibt? Miguel Altieri, Pionier der Agroökologie, forderte an einer Podiumsveranstaltung von SWISSAID und dem CDE der Uni Bern am Mittwoch ein neues globales Ernährungs-System, das auf biologischer Vielfalt und kleinbäuerlicher Produktion beruht. Nur so lasse sich die Ernährung der Welt ökologisch nachhaltig und sozial gerecht gestalten.

Die „Ernährung des Planeten“ beschäftigt die Welt. An der Expo Milano, wo Ansätze zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung im Fokus stehen. Und in den Spalten der Wirtschaftspresse, wo die mögliche Übernahme von Syngenta durch Monsanto jüngst ein Schlaglicht auf die Praktiken der globalen Agrarkonzerne warf. Berkeley-Professor Miguel Altieri trat deren Modell an der Podiumsveranstaltung an der Uni Bern vehement entgegen: „Wir brauchen nicht noch mehr industriell hergestellte Nahrungsmittel, sondern ein nachhaltiges Produktions-System und die gerechtere Verteilung der Ressourcen“.

Altieri gilt als Pionier der Agroökologie, die auf natürliche Kreisläufe, biologische Vielfalt in der Produktion, Kleinbauern und traditionelles Wissen setzt. Unterstützt wurde er in diesem Ansatz von Jordan Gama, dem Direktor der SWISSAID-Partner-Organisation TOAM aus Tansania. Der Druck des Agrobusiness auf die Regierung Tansanias, die gesetzlichen Bestimmungen anzupassen, habe für die Bäuerinnen und Bauern fatale Folgen, sagte Gama. Seine Organisation versuche Gegensteuer zu geben, indem sie Kleinbauern agroökologische Ausbildung anbiete und Vermarktungsketten für Bio-Produkte aufbaue.

SWISSAID setzt in ihren neun Einsatzländern seit langem auf agroökologische Methoden, betonte Caroline Morel, Geschäftsleiterin des Hilfswerks. Damit unterstütze man auf lokaler Ebene den globalen Paradigmenwechsel hin zur einer nachhaltigeren Produktion, den der Weltagrarbericht schon 2008 gefordert hatte. Stephan Rist vom Centre for Development and Environment (CDE) der Uni Bern setzt dabei auf das neue Konzept der Ernährungs-Nachhaltigkeit mit dem sein Institut Ernährungs-Systeme und deren Auswirkungen auf die Bekämpfung des Hungers, auf Umwelt und soziale Gerechtigkeit analysiert. Die Demokratisierung der globalen Ernährungspolitik werde dabei eine zentrale Rolle spielen.

Das Fazit der Veranstaltung war denn auch klar: Um den Planeten nachhaltig ernähren zu können, müssen  Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene gerechtere Ernährungssysteme fördern und vermehrt auf agroökologische Praktiken anstelle von industrieller, ressourcenintensiver Produktion setzen.

Weitere Informationen im Medien-Dossier und im SWISSAID-Positionspapier Agroökologie

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