Agrarpolitik 2022+: Bundesrat vernachlässigt Klimaschutz

Agrarpolitik 2022+: Bundesrat vernachlässigt Klimaschutz

5. März 2019. Mit der Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2022+ gibt der Bundesrat der Schweizer Bevölkerung die Möglichkeit, sich zu den agrarpolitischen Rahmenbedingungen zu äussern. Die Klima-Allianz Schweiz mit ihren 82 Mitgliedsorganisationen hat diese Gelegenheit ergriffen und nimmt Stellung aus Sicht des Klimaschutzes. Sie kritisiert die fehlenden Massnahmen der Vorlage und fordert mehr Biolandbau und Agrarökologie sowie weniger Tierproduktion und Fleischkonsum.

Agrarpolitik ist auch Klimapolitik, denn die Landwirtschaft und unsere Ernährung tragen nicht nur global, sondern auch in der Schweiz erheblich zum Klimawandel bei. Wir müssen dringend umdenken – und dabei nicht nur an kleinen Schräubchen drehen, sondern grundsätzlich die Weichen neu stellen.

Schon mit ihrem Klimamasterplan für die Schweiz nahm die Klima-Allianz Stellung zum Thema Land­wirtschaft. Inzwischen ist innerhalb der Klima-Allianz eine eigene Arbeitsgruppe zu diesem wichtigen Hebel aktiv. «Die Landwirtschaft verursacht mehr als ein Viertel der weltweiten Emissionen. Dabei sind für die Schweiz neben den inländischen auch die ins Ausland verlagerten Emissionen, etwa durch Lebensmittel- und Futtermittelimporte, relevant», sagt Judith Reusser von SWISSAID.

Eva Wyss vom WWF betont, dass die Vorlage zur AP22+ zwar Klimaschutzziele nennt, aber konkrete Massnahmen zur Zielerreichung fehlen und sagt: «Die Landwirtschaft ist nicht nur Mitverursacherin, sondern muss auch Teil der Lösung sein, wenn es um Klimaschutz geht.» «Landwirtschaftliche Böden, die agrarökologisch bewirtschaftet werden, können grosse Mengen an Kohlenstoff in Form von Humus speichern und somit CO2 aus der Luft binden», sagt Julia Jawtusch von Brot für alle, die im Koordinationsteam der Klima-Allianz für den Themenbereich Landwirtschaft verantwortlich ist. Franziska Schwab von der Kleinbauern-Vereinigung ergänzt: «Ein humusreicher Boden ist auch besser gegen klimabedingte extreme Wetterverhältnisse gewappnet, was wiederum für die Ernäh­rungssicherheit in Zeiten des Klimawandels unerlässlich ist.»

Ein unverzichtbarer Hebel der Reduktion von Emissionen aus der Landwirtschaft ist eine Richtung­sänderung bei der Tierproduktion. «Es sollen nur so viele Tiere gehalten werden, wie auch Futter­mittelfläche zur Verfügung steht», erklärt Franziska Schwab. «Wichtig ist hierbei, dass parallel der Fleischkonsum sinkt, sonst würden wir unsere Emissionen einfach ins Ausland verlagern», ergänzt Eva Wyss.

Weitere Informationen erhalten Sie online oder telefonisch bei den folgenden Experteinnen und Expertten der Klima-Allianz:

  • Julia Jawtusch, Expertin Klima/Landwirtschaft, Brot für alle, 079 489 38 24
  • Eva Wyss, Landwirtschaftsexpertin, WWF Schweiz, 079 352 09 47
  • Franziska Schwab, Kleinbauern-Vereinigung, 031 312 64 00
  • Judith Reusser, Verantwortliche Saatgut und Klima, SWISSAID, 078 700 49 61
  • Christian Lüthi, Geschäftsleiter Klima-Allianz, 076 580 44 99