Agrarkonzerne profitieren von der Nahrungsmittelkrise

Agrarkonzerne profitieren von der Nahrungsmittelkrise

Bern/Lausanne. Anlässlich des Welternährungstags (16. Oktober) kritisiert SWISSAID die Tatsache, dass die hohen Summen, die zur Lösung der Nahrungsmittelkrise von 2008 eingesetzt worden sind, in erster Linie den Agrarkonzernen zugute gekommen sind. Denn diese haben ihre Gewinne massiv gesteigert, indem sie den Ländern des Südens eine industrielle Landwirtschaft aufzwingen, welche die Umwelt zerstört und Kleinbauernfamilien verdrängt.

Seit der Hungerkrise 2008 ist die Zahl der Hungernden weltweit auf fast eine Milliarde Menschen gestiegen. Anlässlich des Welternährungstages kritisiert SWISSAID, dass die internationale Gemeinschaft hauptsächlich auf die Agrarindustrie und die grossen Saatgutkonzerne setzt, um die Nahrungsmittelkrise zu bekämpfen. Das führt dazu, dass diese Konzerne ihre Profite weiter steigern können und damit zu den eigentlichen Gewinnern der Krise gehören. 

Aktionäre zufriedenstellen und Hunger verschärfen

"Die internationalen Konzerne haben ganz andere Prioritäten als die Landwirte und Bäuerinnen", betont Caroline Morel, Geschäftsleiterin von SWISSAID. "Diesen Unternehmen geht es hauptsächlich darum, ihre Aktionäre zufriedenzustellen. Dabei zwingen sie der Welt ein Produktionsmodell auf, das die kleinbäuerlichen Strukturen zerstört und die gravierende Hungerproblematik verschärft".

Die internationale Gemeinschaft (Weltbank, FAO, Europäische Union, aber auch private amerikanische Stiftungen) stellte als Reaktion auf die Hungerrevolten gigantische Beträge bereit. Den Kleinbauern und -bäuerinnen, die weltweit am stärksten von Hunger betroffen sind, kamen diese jedoch kaum bis gar nicht zugute. Sie sind auf sich alleine gestellt, können auf keinerlei Unterstützung zählen und werden von den grossen Nahrungsmittelkonzernen massiv unter Druck gesetzt. 

Monokulturen und Welthandel zerstören lokale Produktion

Diese Unternehmen zwingen den Kleinbauern ihr Hochleistungs- und Gentech-Saatgut sowie chemischen Dünger und Pestizide auf. Gefördert werden damit vor allem Monokulturen, die den Welthandel bedienen und dabei die lokale Produktion konkurrenzieren und die heimischen Märkte zerstören.

"Diese Entwicklung ist eine Sackgasse und bedroht die Vielfalt des lokalen Saatguts. Dabei kann nur eine lokale, kleinbäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft den Herausforderungen der Zukunft standhalten und den weltweiten Hunger wirksam bekämpfen", betont die Geschäftsleiterin von SWISSAID. 

Agrarkonzerne kontrollieren den Saatgutmarkt

"Wir müssen endlich davon wegkommen zu glauben, dass die weltweite Ernährungssicherung einigen wenigen Grosskonzernen des Agrobusiness überlassen werden kann", führte Morel aus. "Denn diesen geht es hauptsächlich darum, neue Märkte für ihre Produkte zu gewinnen."

Im Zentrum dieses Kampfes um die Beherrschung des weltweiten Nahrungsmittelmarktes steht zweifelsohne das Saatgut. Durch das systematische Aufkaufen kleiner Saatgutbetriebe und die Patentierung von Pflanzen und Genen hat eine Handvoll internationaler Agrarkonzerne den Saatgutmarkt unter ihre Kontrolle gebracht. Zu diesen marktbeherrschenden Unternehmen gehört auch der Schweizer Konzern Syngenta.

Millionen Kleinbauern wegen Agrotreibstoffen vertrieben

SWISSAID klagt darüber hinaus den weltweiten Run auf Agrarflächen an, die von grossen Unternehmen gepachtet oder gekauft werden. Allein in Afrika geht es um 20 bis 50 Millionen Hektar Land, auf denen Kulturen für den Export oder für die Verarbeitung zu Agrotreibstoffen angebaut werden. Verheerende Folge davon ist die Vertreibung von Millionen Kleinbauern, die als Landlose in den Hunger getrieben werden. 

"Wir haben es heute mit einem Kampf zwischen zwei Modellen der Nahrungsmittelproduktion zu tun, die einander diametral entgegenstehen: Einerseits die industrielle, globalisierte, durch das Agrobusiness gesteuerte Produktion, die den Hunger und die Klimaerwärmung verstärkt. Und auf der anderen Seite die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die auf lokale, diversifizierte und ökologische Produktion und Ernährungssouveränität setzt", bekräftigt Caroline Morel. "Und SWISSAID steht ganz klar auf der Seite der Kleinproduzenten – Frauen wie Männern – , die wir in ihrem Kampf ums eigene Überleben unterstützen."