Internationale Agrochemie-Multis vereinnahmen die Agrarforschung in Afrika

Internationale Agrochemie-Multis vereinnahmen die Agrarforschung in Afrika

Assétou Samaké, Professorin für Pflanzengenetik an der Universität Bamako (Mali), wird als Referentin an einer Tagung über Forschung in der Landwirtschaft teilnehmen, die SWISSAID im September durchführt. Sie setzt sich ein gegen die Gentech-Konzerne, die immer mehr Einfluss über die afrikanischen Agrarforschungszentren ausüben. 

Assétou Samaké ist eine vielbeschäftigte Frau. Neben ihren Vorlesungen in Molekularbiologie an der Universität Bamako (siehe Bild) engagiert sie sich in der "Coalition pour la protection du patrimoine génétique africain" (COPAGEN), der Koalition für den Schutz der genetischen Ressourcen Afrikas.

Gegen den Schwindel mit der Gentechnologie

Und sie äussert sich immer wieder kritisch zum Schwindel mit den gentechnisch veränderten Organismen (GVO), die sich in Afrika zunehmend ausbreiten, oder zur Irreführung der Forschung und der Forschenden in Afrika. "Seit einigen Jahren werden unsere Bauern, Wissenschaftler und Politiker unter Druck gesetzt, damit sie den GVO Tür und Tor öffnen", erklärt sie. 

Sie verweist auf die in afrikanischen Ländern oder in den USA organisierten Treffen, an die Staatschefs, afrikanische Landwirtschaftsminister und Leiter von Forschungszentren oder Bauernvereinigungen eingeladen werden. Diese vermitteln eine klare Botschaft: Die Landwirtschaft in Afrika braucht GVO, und die afrikanische Forschung muss sich in diese Richtung entwickeln.

Die Bedürfnisse der afrikanischen Bauern liegen anderswo

"Man lädt sie ein, bringt sie in den teuersten Hotels unter, zeigt ihnen grosse Felder mit transgenen Pflanzen, man sagt ihnen, dass man den Anschluss an die GVO-Entwicklung nicht verpassen darf, und bei ihrer Rückkehr schwören sie auf Gentech-Kulturen", empört sich Assétou Samaké und spricht sogar von einer Form der "ideologischen Korruption". 

Die knappen finanziellen Ressourcen, die der wissenschaftlichen Forschung in Afrika zur Verfügung stehen, und die wenigen bestehenden Strukturen werden in Richtung GVO und Biotechnologien gesteuert: "Hier werden Ressourcen umgelenkt, denn die Bedürfnisse der afrikanischen Bauern liegen anderswo", sagt sie.

Die Schwierigkeit, auf die Verlockung zu verichten

Angesichts der wirtschaftlichen Notlage ist es für einen Forscher, der zwar gut ausgebildet ist, aber keine Kredite zur Durchführung seiner Forschungsarbeiten erhält, oder für ein Agrarforschungszentrum ohne Betriebsbudget schwierig, auf die finanzielle Verlockung zu verzichten. Monsanto, Syngenta, aber auch USAID oder die Allianz für eine grüne Revolution in Afrika (AGRA) bieten für die Forschung mit gentechnisch veränderten Arten von Hirse, Sorghum oder Mais viel Geld.

"Auf die ideologische Korruption unserer Entscheidungsträger folgt die finanzielle Korruption unserer Forscher", sagt Assétou Samaké. "Arbeitet man mit GVO, werden Projekte finanziert. Wenn man ein mittelloser Forscher ohne Arbeitsmöglichkeit ist, kann man versucht sein. Ich bedaure dies aber." 

Ernährungssicherheit löste Selbstversorgung ab

Mit einem Funken Nostalgie erinnert sie sich an die Situation in den 60er- und 70er-Jahren. Damals setzten die afrikanischen Staaten auf Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln und die Nutzung der genetischen Ressourcen des Landes. "Wir hatten Forschungseinrichtungen, die diesen Namen verdienten und die nach der Unabhängigkeit verstaatlicht worden waren", erklärt Assétou Samaké. "Die nationale Agrarforschung hat bei der Verbesserung des lokalen, für unsere Verhältnisse geeigneten Saatguts interessante Ergebnisse erzielt".

Dann kam die Zeit der Strukturanpassungen des IWF und der Weltbank mit deutlichen Kürzungen des Forschungsbudgets und einer Neuausrichtung der Agrarpolitiken. "Man sprach nicht mehr von Selbstversorgung, sondern von Ernährungssicherheit, und damit sagte man uns: Esst, was man euch gibt, und schweigt! Fragt nicht, woher das Saatgut kommt, wir kümmern uns um alles". 

Afrika verliert die Kontrolle über sein Saatgut

Für diese brillante Wissenschaftlerin ist es eine Katastrophe, dass Afrika die Kontrolle über seine Forschungsprogramme, seine genetischen Ressourcen, sein Saatgut und seine Wahlmöglichkeiten im Ernährungsbereich immer mehr verliert. "Wenn unsere Genressourcen heute im Labor verändert werden, geschieht dies ohne unser Wissen, zum Teil in unserem Land, meist aber im Ausland."

Assétou Samaké versucht, so viel wie möglich darüber herauszufinden, was in den Forschungsstationen im Bereich der gentechnisch veränderten Pflanzen geschieht. Beispielsweise schreiten die Forschungsarbeiten über eine transgene Bohnenart fort.

Burkina Faso als Labor für obskure Gentech-Versuche 

Ein so genanntes bioverstärktes – in Wirklichkeit aber gentechnisch verändertes – Sorghum wird derzeit in einer geschlossenen Umgebung angebaut. "Es ist schwierig, Informationen über die Arbeiten in den Forschungslabors zu erhalten", bedauert sie. "Wir müssen die Berichte von Bauern, Forschenden und NGOs, die uns unterstützen, vergleichen". 

So hat sie von der Existenz eines gentechnisch veränderten Sorghums erfahren, das Syngenta in der Schweiz entwickelt und dann in Südafrika getestet hat. Oder von "Niébé", einer in Westafrika verbreiteten Bohnenart, mit der in Labors in Burkina Faso experimentiert wird. Dieses Land ist zu einem Labor für alle möglichen Arten von Gentech-Versuchen geworden, die völlig im Dunkeln bleiben.

"Die GVO-Tests werden in unserem Land versteckt durchgeführt, da sie sonst auf Widerstand stossen würden", sagt sie. Und sie ist fest entschlossen, alles dafür zu tun, damit dieser Widerstand weiter wächst.