Afrika ist "für jedermann zu haben"

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Die Landnahme in Afrika zur Produktion von Agrotreibstoffen für den europäischen Markt nimmt dramatische Formen an. Rund 50'000 Quadratkilometer Land – eine Fläche grösser als die Schweiz – ist von ausländischen Unternehmen aufgekauft worden. Dies zeigt eine neue Studie von "Friends of the Earth". In der Schweiz verlangt eine parlamentarische Initiative strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe.

Die Studie untersuchte die Lage in elf afrikanischen Ländern und kam zu einem schockierenden Resultat. Mindestens fünf Millionen Hektaren Land sind bereits aufgekauft worden, um darauf Agrotreibstoffe zu produzieren. Mehr noch: Da offizielle Informationen fehlen, dürfte das von europäischen Firmen dominierte Geschäft der Landnahme noch weit grössere Dimensionen haben, als derzeit nachzuweisen ist.

Der Bericht unter dem Titel "Afrika: für jedermann zu haben" zeigt auf, wie lokale Gemeinschaften von ihrem Land vertrieben werden, da sie keine geschützten Landtitel besitzen. Wälder und andere Ökosysteme werden zerstört, und Agrotreibstoffe verdrängen den Anbau von Nahrungsmitteln. Der Trend wird sich weiter beschleunigen, wenn die EU ihr Ziel erreichen will, zehn Prozent der Treibstoffe aus erneuerbaren Ressourcen zu gewinnen.

Ein bisher unveröffentlichter Weltbank-Bericht bestätigt die zunehmenden Land-Konflikte zwischen lokalen Gemeinschaften und Firmen, die Agrotreibstoffe anbauen. "Der Anbau von Agrotreibstoffen ist darüber hinaus eine der grössten Gefahren für die Biodiversität", warnt Bertrand Sansonnens von Pro Natura, dem Schweizer Mitglied von "Friends of the Earth".

In der Schweiz ist eine parlamentarische Initiative hängig, welche strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe fordert. In die gleiche Richtung zielt eine von bisher über 35'000 Personen unterschriebene Petition, welche von rund 30 Schweizer Organisationen unterstützt wird. "Die neue Studie bestätigt unser Einschätzung", sagt Tina Goethe von  SWISSAID: "Agrotreibstoffe führen in der Dritten Welt zu mehr Hunger". Die Petition richtet sich auch gegen zwei geplante Agrotreibstoff-Fabriken in Bad Zurzach (AG) und Delsberg (JU).

Bild: Wiki Media