Adieu, Hunger: 365 Tage im Jahr genug zu essen

Während vier Monaten im Jahr wird für die Bevölkerung in unserem Projektgebiet in Myanmar (Burma) das Essen knapp. In Feldschulen lernen die Bäuerinnen und Bauern, mit naturnahem Ackerbau wieder ein Auskommen zu finden.

Goldene Reisfelder erstrecken sich in der Nachmittagssonne am Fuss der Berge. Eine Bäuerin überprüft das Korn an den Ähren. Eine friedliche Szene – aber auch eine trügerische. Denn die Probleme im Gliedstaat Kachin, nahe der Grenze zu China, sind vielfältig: Bürgerkriegsähnliche Konflikte mit Vertreibungen ganzer Dörfer und Grossinvestoren, die weite Landstriche mit ihren Kautschukplantagen besetzten, vertreiben die Menschen von dem Boden, den sie seit Generationen bewirtschaften. Damit verlieren sie auch den Zugang zum Gemeinschaftswald, dessen Produkte eine wichtige zusätzliche Ernährungs- und Einnahmequelle darstellen

Wem gehört das Land, auf dem mein Reis wächst?

Weil die Besitzverhältnisse über das Land ungeklärt sind, ist es für die Bauernfamilien schwierig, sich eine beständige Lebensgrundlage zu schaffen. Meistens kommen sie gerade so über die Runden, doch während vier Monaten im Jahr wird das Essen wirklich knapp. Am deutlichsten sieht man das an den Kindern: Mehr als 35 Prozent der Kinder in Myanmar sind nach Angaben des „World food programme“ wegen chronischer Mangelernährung zu klein für ihr Alter.

Von der Aufbruchsstimmung, die in den Zentren Myanmars durch die Öffnung des Landes und den wirtschaftlichen Aufschwung ausgelöst wurde, ist in den 25 abgelegenen Dörfern unseres Projektgebiets nichts zu spüren. Häufig nehmen die Männer Jobs in weit entfernten Minen an, die Frauen bleiben mit Hof und Familie zurück. Um die Alltagsausgaben zu bestreiten, lassen sich viele von ihnen auf Kredite zu Wucherzinsen ein und verschulden sich langfristig.

Sichere Ernährung und eine beständige Lebensgrundlage

Wer sich unter diesen Umständen eine beständige Lebensgrundlage schaffen möchte, ist auf handfeste Unterstützung angewiesen. Auf Schuläckern unter freiem Himmel leiten besonders innovative und von unseren Partnerorganisationen geschulte Bäuerinnen und Bauern ihre Kolleginnen an. Gemeinsam erarbeiten sie lokale Produktionsmethoden, mit denen sie ihre Ernährungslage trotz schlechtem Saatgut, ausgelaugtem Boden und sinkenden Erträgen verbessern können, ohne die Chemiekeule zu schwingen. Die ökologische Reisanbautechnik SRI (siehe Erklärung rechts), Gemüsegärten für Verkauf und Eigenkonsum sowie die Haltung von Schweinen und Hühnern als Dung- und Proteinlieferanten sind bewährte Methoden.

240 Kleinbäuerinnen und -bauern aus 15 Dörfern lernen so alternative Einkommensmöglichkeiten kennen, damit sie ihre Schulden abbauen können. Kleinunternehmerinnen und -unternehmer erfahren, wie sie ihr Geschäft vorausschauend verwalten können und Kleinviehzüchter besuchen Kurse zu Tierhaltung.

In der Summe werden in Kachin damit 700 Familien, also rund 3‘500 Menschen, erreicht. Ein bescheidener, aber wichtiger Anfang, damit immer mehr Familien dem Hunger und der Verzweiflung Lebewohl sagen können.