„Feeding the Planet“ – unheilige Allianz von Basel und Syngenta an der Expo 2015

„Feeding the Planet“ – unheilige Allianz von Basel und Syngenta an der Expo 2015

Bern, 24. Februar 2015. Das Motto der Expo Mailand heisst “Feeding the Planet. Energy for Life“ (Den Planeten ernähren, Energie für das Leben). Syngenta, der Hauptsponsor des Basler Auftritts in Mailand, soll während der Basler Wochen vom 22. Mai bis 2. Juni 2015 ihre  Strategie zur Ernährung der Welt unwidersprochen darlegen können.  Erst im August 2015 werden Organisationen der biologischen Landwirtschaft präsent sein. Der vom Basler Stadtpräsidenten Guy Morin versprochene „kritische Dialog“ mit Syngenta findet so nicht statt.

Das ist für uns inakzeptabel. Es geht hier nicht um irgendeine nebensächliche Diskussion: „Feeding the Planet“ ist eine der brisantesten Fragen unserer Zeit. Blenden wir zurück: Der von der UNO und der Weltbank initiierte Weltagrarbericht wurde 2008 von 58 Ländern, darunter auch der Schweiz, unterschrieben. Dies ist die bisher umfassendste wissenschaftliche Untersuchung zur Zukunft der Welternährung. Rund 400 Expertinnen und Experten aller Kontinente und Fachrichtungen beschäftigten sich vier Jahre lang intensiv mit folgenden Fragen: Mit welchen Strategien können Hunger und Armut am effizientesten bekämpft werden? Wie entfaltet Geld die grösste Wirkung gegen Armut? Welche Forschung braucht es? Die klare und einfache Botschaft des Weltagrarberichts lautet: "Weiter wie bisher ist keine Option“.

Will die Weltgemeinschaft die enormen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewältigen, dann ist ein radikales Umdenken nötig. Hunger und Armut können nur auf der lokalen Ebene bekämpft werden. Es braucht einen Perspektive-Wechsel hin zu einer multifunktionalen Landwirtschaft, die den Erhalt und die Erneuerung der natürlichen Ressourcen und der Artenvielfalt in den Mittelpunkt stellt. „Gemäss zahlreichen Studien und nach Ansicht vieler internationaler Experten ist die ökologische Landwirtschaft die beste Strategie, um die globalen Ernährungsprobleme zu überwinden“ , sagt Catherine Morand von SWISSAID.

Syngenta, die über 70% ihres Umsatzes mit Pestiziden erwirtschaftet, sieht das anders. Der Schweizer Agrarkonzern vertritt eine Landwirtschaft, die auf dem hohen Einsatz fossiler Energien und Agrarchemie beruht. Vom  Weltagrarbericht hat sich die Firma im letzten Moment distanziert. Umso wichtiger ist, dass der von Guy Morin versprochene „kritische Dialog“ mit der Syngenta an der Expo stattfindet. „Wir finden es beschämend, wenn sich Basel in dieser zentralen Frage vor den Karren von Syngenta spannen lässt“, sagt Florianne Koechlin.

Dies ist umso stossender, als Syngenta heute im Globalen Süden in heftigen Konflikten mit den Bewegungen der Kleinbauern und Landlosen steht. Syngenta ist in diesen Ländern bekannt für Patente auf Saatgut, Bauernvertreibungen und Biopiraterie. Im Dezember 2011 fand in Bangalore eine Verhandlung des „Permanent People’s Tribunal“ statt. Syngenta und fünf andere Konzerne wurden der Verletzung der Menschenrechte, v.a. jener verletzlicher Völker, für schuldig befunden. Roman Künzler von MultiWatch sagt: “Der Widerstand gegen  Monsanto und Syngenta ist weltweit riesig. Wir fordern, dass auch die Basler Regierung das Menschenrecht auf Nahrung über Konzerninteressen stellt.

Als Reaktion organisiert MultiWatch in Kooperation mit dem Institut für Soziologie am 24. und 25. April in Basel eine internationale Konferenz zum Thema Agrarbusiness à la Syngenta und ‚Feeding the Planet’. Internationale Fachleute werden auf Delegationen von sozialen Bewegungen aus verschiedenen Ländern des Südens treffen.

Doch nicht nur der Auftritt von Basel steht in der Kritik. Auch der generelle Auftritt der Schweiz steht ganz im Zeichen von Hauptsponsor Nestlé. „Die Schweiz sendet so ein falsches Signal. Sie missbraucht die Expo als Produktemesse für Konzerne anstatt mit ihrer im internationalen Vergleich vorbildlichen Landwirtschaftspolitik aufzuzeigen, dass demokratische Ernährungssysteme möglich sind“, stellt Miges Baumann von Brot für alle fest.

Mehr Infos bei: Fabio Leippert, SWISSAID, 078.621.76.74, f.leippert[at]swissaid.ch

Die Pressemappe kann bestellt werden bei: basel@multiwatch.ch

Medienmitteilung von: Alliance Sud, Blauen-Institut, Brot für alle, MultiWatch, SWISSAID, Verein Urban Agriculture Basel und Verein soziale Ökonomie Basel.