"Ihr werdet sterben vor Staub" − Wie SWISSAID der geplagten Bevölkerung hilft

Was würde man in Madiba tun ohne Mangobäume? Die grünen Giganten spenden mit ihrem Blattwerk auf dem staubigen Dorfplatz Schatten, auf dem sich Männer und Frauen versammelt haben, um Zeugnis abzulegen. Es geht um handfeste Fakten, die allen grosse Sorgen machen. Denn das Dorf im tiefen Süden des Tschads liegt im Becken von Dosséo, wo Esso Öl vermutet. Und dies bedeutet meist nichts Gutes für die Menschen, die auf dem Boden leben, der das „schwarze Gold“ enthält.

„Dort drüben haben sie ein Loch gebohrt“, sagt Ngaba Bertin und zeigt auf die Stelle im Busch, „nicht weit vom letzten Haus entfernt.“ Der Chef des Dorfes beklagt sich bitter: Er sei weder begrüsst noch um seine Meinung gefragt worden, als die Probebohrungen stattfanden. Man habe nur gesagt, hier werde eine Strasse in die Ölfelder führen, 30 Meter breit, und: „Ihr werdet sterben vor Staub.“ Dann seien die „Ölmänner“ wieder verschwunden mit ihren Geräten, „die die Erde zum Zittern brachten“.

Erdöl wird Türöffner für Entwicklung

Die Angst, dass Esso wieder kommt, sitzt tief. Doch seither ist in Madiba auch RESAP aktiv geworden, eine Organisation, die alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Ölförderung im Becken von Dosséo verfolgt. Sie hat eine Bestandesaufnahme gemacht, das Land vermessen, die Zahl der Mangobäume notiert, die Grösse der Maniokfelder und Gemüsegärten. Die Bauern und Bäuerinnen wissen inzwischen genau, dass sie Rechte und Anspruch auf Entschädigung haben, wenn Esso die Ölförderung dereinst aufnehmen sollte.

Entschädigungen verbessern

Denn mit Unterstützung von SWISSAID und anderen internationalen Hilfswerken konnten tschadische NGO's die ursprünglich von Esso vorgeschlagenen Entschädigungen massiv verbessern. So erhielten Bauernfamilien für einen zerstörten Mangobaum rund 1600 US-Dollar anstelle der ursprünglich vorgeschlagenen 6 Dollar. Zudem hat RESAP in fast 500 Dörfern Komitees gegründet, die zusammen einen Entwicklungsplan ausarbeiteten.

Dabei geht es nicht nur um die Folgen der Ölförderung, sondern auch um die bessere Vermarktung von Produkten, um Bewässerung, um nachhaltige Waldnutzung. „Das Erdöl ist zum Türöffner für eine umfassende Entwicklung geworden“, erklärt RESAP-Koordinator Renodji Djimrabaye.

Öleinnahmen für die Bevölkerung

Neben RESAP unterstützt SWISSAID im Tschad drei weitere Organisationen, die dafür kämpfen, dass die Öleinnahmen verstärkt der Bevölkerung zugute kommen. Diese sind auf lokaler Ebene - mit ähnlicher Ausrichtung wie RESAP - sowohl in Doba wie in weiteren Förderregionen, aber auch auf nationaler Ebene aktiv. Dort geht es vor allem um das Sammeln von Informationen, um die Überwachung der Budgets und um politische Lobbyarbeit. So konnte kürzlich eine von SWISSAID mitfinanzierte Studie zeigen, dass die der Förderregion zustehenden 5% der Einnahmen aus der Ölförderung nicht vollständig ankommen oder für Projekte eingesetzt werden, die der Bevölkerung wenig nützen. Aufgrund dieser Informationen lässt sich nun auf politischer Ebene Gegensteuer geben.