SWISSAID Kritik an Syngenta Aktionärsversammlung

SWISSAID Kritik an Syngenta Aktionärsversammlung

Die Generalversammlung der Syngenta war gut besucht: 1003 Aktionärinnen und Aktionäre waren in Basel vertreten. Die hohe Zahl täuscht, denn die Anwesenden repräsentieren lediglich 0.3 Prozent der Aktienstimmen. SWISSAID forderte  Syngenta eindringlich auf, ihre Politik in Sachen Patente und Gentechnologie zu ändern.

Die Reaktion der Führungsriege auf das Statement war undiplomatisch scharf. Im Gegensatz zu Entwicklungsorganisationen würde Syngenta nicht die Armut unter den Kleinbauern aufrecht erhalten. Auch insgesamt fällt auf, wie stark die Firma versucht, ihren Geschäftsinteressen einen altruistischen Entwicklungs-Anstrich verpassen. Das SWISSAID Statement an der Syngenta GV vom 24. April lesen Sie hier :

Votum anlässlich der Generalversammlung der Syngenta AG

24. April 2012, Basel
Tina Goethe, SWISSAID

"Sehr geehrte Mitglieder des Verwaltungsrates, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrter Herr Verwaltungsratspräsident Martin Taylor.

Herr Taylor, in Ihrem Vorwort zum vorliegenden Jahresbericht nennen Sie gleich vier  Mal die Bedeutung eines – ich zitiere – „uneingeschränkten Zugangs zu Technologien“. Wenn der fehle, sei dies "besonders nachteilig für Kleinbauern". Der Bericht beklagt ein „zunehmend restriktiver werdendes regulatorisches Umfeld“, das diesen Zugang verwehre.

Ich frage mich, wenn Ihnen dieser „uneingeschränkte Zugang zu Technologien“ so am Herzen liegt, warum, Herr Taylor, patentiert Syngenta ihr Saatgut und verwehrt damit genau diesen uneingeschränkten Zugang? Der ist vor allem für lokale Züchter in Entwicklungsländern sehr wichtig. Mir drängt sich eher der Verdacht auf, dass es Syngenta mehr um den eigenen Zugang zu neuen Märkten geht und weit weniger um die Zugänglichkeit ihrer Technologie.

Einmal mehr – wie schon in den letzten Jahren – möchte ich Sie an dieser Stelle dringend auffordern, auf Patente auf Pflanzen und Gensequenzen ab sofort und ausnahmslos zu verzichten.

Bei der Verbreitung ihrer Technologie, schreiben Sie, braucht es „Partnerschaften“ – auch mit NGOs –,  um den Kleinbauern zu helfen. Ein gutes Beispiel für eine solche, breite Partnerschaft, sei das Projekt SAGCOT (Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania), an dem Syngenta beteiligt ist. NGOs habe ich unter den Partnern vergeblich gesucht. Die Liste der multinationalen Agrarkonzerne ist dafür umso länger.

Die SWISSAID Partnerorganisationen in Tanzania – Bauern-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, stehen dem SAGCOT Projekt äusserst skeptisch gegenüber. Im November letzten Jahres hatte ich Gelegenheit, vor Ort mit Vertretern dieser Organisationen zu sprechen. Einen Nutzen für Kleinbauern bezweifeln sie. Audax Rukonge vom Agriculture Non State Actors Forum ANSAF beurteilt SAGCOT so: „Es sieht so aus, als würde der Staat viel investieren. Und sicher erwartet der Privatsektor grosse Gewinne. Aber: wo sind die Kleinbauern und Kleinunternehmen in diesem Projekt? Wo ist die Beteiligung der Zivilgesellschaft?.“

Die Zivilgesellschaft ist in Tansania übrigens sehr besorgt über den ausländischen Druck auf die Regierung, ihre Gesetzgebung zu biologischer Sicherheit zu lockern. Denn das Gesetz sieht eine Haftungsregelung für eventuelle Schäden durch Gentechpflanzen vor. Das ist denjenigen Firmen ein Dorn im Auge, die Gentech-Pflanzen einführen wollen. Sie sind nicht bereit, die Haftung – und damit die Verantwortung für ihr Handeln – zu übernehmen. Die tansanische Allianz für Biodiversität wehrt sich gegen diesen Druck und kämpft für den Erhalt des Gesetzes.

Ist dies für Sie, Herr Taylor, auch eines dieser „restriktiven Umfelder“, dass den „uneingeschränkten Zugang zu Technologien“ erschwert? Im Namen unserer Partnerorganisationen in Tansania fordere ich Sie, den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung auf, demokratische Gesetze zu respektieren und nicht für deren Lockerung zu lobbyieren.

Dass SWISSAID von der Gentechnologie in der Landwirtschaft nicht überzeugt ist, ist kein Geheimnis. In Ihrem Jahresbericht schreiben Sie jedoch diesmal selbst über negative Auswirkungen der Technologie. Sie erwähnen Sie auf Seite 23, ich zitiere: „In den USA nimmt das Problem der Glyphosat-Resistenz bei Unkraut zu. Wir haben frühzeitig auf diese Problematik reagiert und bieten den Landwirten nun sechs Optionen …an.“ Im Klartext heisst das: Das Totalherbizid Glyphosat verliert seine Wirkung. Es braucht noch schärferes Pflanzengift, um das resistent Unkraut zu loszuwerden.

Das ist ein vernichtendes Urteil für die Gentechnologie. Rund 80-90 Prozent aller Gentechpflanzen auf dem Markt sind heute auf Glyphosat angewiesen. Bei Syngenta heisst das Herbizid ürbrigens Touchdown. Und obwohl Sie von Syngenta das Problem erkannt haben, dass Unkräuter Resistenzen entwickeln, setzen Sie weiterhin auf die Technologie der Herbizidtoleranz. Ihr gentechnisch verändertes Triple-Stack-Maissaatgut, enthält genau diese Herbizidtoleranz gegen Glyphosat. Das so genannte Event GA21. Die Zulassung dieses Saatguts zum Anbau in Argentinien feiern Sie in Ihrem Bericht als ein Highlight im Jahr 2011.

Meine letzte Frage an Sie, sehr geehrte Damen und Herren, sind Sie bereit, aus Fehlern zu lernen? Sind Sie bereit, auf diese Probleme zu reagieren und auf wirklich nachhaltige Technologien umzustellen? Zu denen gehört weder Gentechnologie noch der Einsatz von chemischen Giften. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit."