Indische GVO-Auberginen bleiben im Labor

Indische GVO-Auberginen bleiben im Labor

Bern/Lausanne. SWISSAID ist erfreut über den Entscheid des indischen Umweltministers, die umstrittene Gentech-Aubergine in Indien vorerst nicht zuzulassen. Mit der Ankündigung eines Moratoriums reagiert die Regierung auf die breite öffentliche Kritik der letzten Wochen.

Der Zulassungsstopp gilt, bis unabhängige Studien die Aubergine als unbedenklich für Mensch und Umwelt einstufen. SWISSAID, seit Jahrzehnten in Indien tätig, ist erleichtert, dass die Regierung den Interessen der Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern damit Priorität einräumt. 

Noch keine Studien über die Auswirkungen

Der Entscheid von Umweltminister Jairam Ramesh löst bei Kleinbauern, Konsumentinnen sowie bei Umwelt- und Entwicklungsorganisationen grosse Erleichterung aus. Denn mit der Gentech-Aubergine wäre – weltweit erstmals – ein gentechnisch verändertes Grundnahrungsmittel auf Feld und Teller gekommen, das ohne weitere Verarbeitung konsumiert wird.

Über die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit gibt es noch keine Studien. Hinreichend bekannt hingegen ist die Bedrohung der Sortenvielfalt durch Gentechpflanzen.

Indien ist weltweit grösster Auberginen-Produzent

Indien ist mit über 2'500 verschiedenen Sorten ein "Biodiversitäts-Hotspot" für die Aubergine. Indien ist weltweit der grösste Produzent von Auberginen, die vor allem von Kleinbauern angebaut wird. 

Im Oktober 2009 hatte die für die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen zuständige Kommission (GEAC) eine von der indischen Monsanto-Tochter Mahyco entwickelte Gentech-Aubergine für den kommerziellen Anbau in Indien zugelassen. Schon damals war das Zulassungsverfahren heftig kritisiert worden, da es sich vor allem auf Studien und Daten der Firma Mahyco stützte und die Kommissions-Mitglieder grossem Druck der Agrokonzerne ausgesetzt waren. 

Indiens Bauern haben Erfahrung mit Gentech-Pflanzen


Seit 2002 wird in Indien bereits Gentech-Baumwolle angebaut. Die Bauern wissen daher, was mit einer weiteren Gentech-Pflanze auf sie zukäme: teures Saatgut und Verschuldung, was bereits zehntausende Bauern in den Selbstmord getrieben hat.

Die Kritik an der Gentech-Aubergine manifestierte sich deshalb in Protestaktionen in ganz Indien , kam aber zunehmend auch von Wissenschaftern und Prominenten. Mehrere Bundesstaaten hatten bereits angekündigt, die Gentech-Aubergine nicht anzubauen. Nach landesweiten Konsultationen hat sich nun auch der Umweltminister auf die Seite der Bauern und gegen die Agrokonzerne gestellt. 

Wichtiger Schritt im Kampf für biologische Vielfalt

SWISSAID setzt sich seit Jahren für eine ökologische und gentechfreie Landwirtschaft ein. Denn nur sie kann den armen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Süden langfristig ausreichende Ernährung und Einkommen garantieren.

Mit der diesjährigen Kampagne "Freiheit statt Ausbeutung. Sortenvielfalt schützt vor Saatgutmultis und Hunger" macht SWISSAID auf die Bedeutung der Sortenvielfalt im Kampf gegen den Hunger aufmerksam. Das Moratorium für die Gentech-Aubergine ist ein wichtiger Schritt im Kampf für die biologische Vielfalt und für unabhängige Kleinbauern auf der ganzen Welt.