Ernährung sichern heisst bäuerliche Familienbetriebe fördern!

 Ernährung sichern heisst bäuerliche Familienbetriebe fördern!

27. Juni 2014. Mit gezielten Massnahmen die bäuerlichen Familienbetriebe weltweit stärken: An der nationalen Tagung zum UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe in Grangeneuve (FR) verabschieden Organisationen der Landwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit gemeinsam eine Deklaration. Sie fordern darin die Entscheidungsträger auf, die Anliegen der bäuerlichen Familienbetriebe besser zu berücksichtigen.

Bäuerliche Familienbetriebe leisten einen wichtigen Beitrag an die weltweite Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln. Um sie zu stärken, muss die Ernährungssouveränität anerkannt, der faire Handel gefördert und die Rechte der Frauen in der Landwirtschaft verbessert werden. Die Bildung und Beratung in Zusammenhang mit einer auf die bäuerlichen Familienbetriebe fokussierten Entwicklungszusammenarbeit sind zu vertiefen. Dies fordern fünf Organisationen im Rahmen einer nationalen Tagung am Landwirtschaftlichen Institut in Grangeneuve. An der Tagung zeigten Vertreterinnen und Vertreter von bäuerlichen Organisationen und Hilfswerken aus dem In- und Ausland die Rolle der Familienbetriebe im jeweiligen nationalen Kontext auf. Experten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Forschung und Beratung diskutierten das Potential und die Grenzen der bäuerlichen Familienbetriebe. Das Tagungspublikum äussert sich im Rahmen von moderierten Workshops zur Deklaration und erarbeitet politische Handlungsempfehlungen. Mit der Verabschiedung der Deklaration zur Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe nehmen die Tagungsteilnehmenden die Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Bildung in die Pflicht. Am 9. September 2014 werden die Deklaration und die erarbeiteten politischen Handlungsempfehlungen Bundesrat Schneider-Ammann übergeben.

Die Tagung ist ein Projekt im Rahmen des UNO-Jahres der bäuerlichen Familienbetriebe. Mit dem internationalen Jahr, wollen die Vereinten Nationen auf die grosse Bedeutung der Familienbetriebe hinweisen. Auf rund 30 Prozent der Landwirtschaftsflächen produzieren bäuerliche Familienbetriebe rund 70 Prozent des Nahrungsbedarfs. Sie sind das wirtschaftliche und gesellschaftliche Rückgrat der ländlichen Räume, insbesondere in Ländern, in denen der grösste Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist. Auch die Schweizer Landwirtschaft besteht praktisch ausschliesslich aus Familienbetrieben. Das Erfolgsmodell der bäuerlichen Familienbetriebe kommt unter Druck. Infolge der Globalisierung der Märkte und der Auflösung der traditionellen Familienstrukturen erfährt das bewährte Landwirtschaftsmodell einen beschleunigten Strukturwandel. Es ist deshalb dringend nötig, dass sich die einzelnen Länder Gedanken zu dessen Unterstützung und Stärkung machen. Mit dem internationalen Jahr will die UNO den Familienbetrieben die Möglichkeit geben, ihre Anliegen auf die Agenda der politischen Entscheidungsträger zu setzen. In der Schweiz haben verschiedene Organisationen (siehe Box) die Aufforderung der UNO ernst genommen und neben der Tagung diverse weitere Aktivitäten aufgegleist.

Deklaration

Die unterzeichnenden Organisationen – Schweizer Bauernverband, die Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete, der Schweizer Bäuerinnen- und Landfrauenverband, SWISSAID und Helvetas – würdigen die Leistungen der bäuerlichen Familienbetriebe in Bezug auf die nachhaltige ländliche Entwicklung und Ressourcennutzung. Zur Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe fordern sie:

  • Den Grundsatz der Ernährungssouveränität einhalten.
  • Landwirte und Angestellte sollten angemessenes Einkommen in der Landwirtschaft erwirtschaften können.
  • Die Multifunktionalität der Landwirtschaft fördern.
  • Die Rolle der Frau in der Landwirtschaft und ihre Rechte anerkennen und durchsetzen.
  • Forschung, Bildung und Beratung ausbauen.

Die Deklaration richtet sich an Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft, Landwirtschaft und anderen Bereichen, die auf die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen Einfluss haben. Die Deklaration dient als Richtschnur für zukünftige Entscheidungen.

Das UNO-Jahr in der Schweiz

Die Tagung zum UNO-Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe ist ein Projekt des nationalen Komitees. Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete und AGRIDEA als Mitorganisatorin hatten die Leitung inne. Der internationale Bäuerinnendialog mit Abschluss am Tag der Bäuerin am 16. Oktober 2014 an der OLMA in St. Gallen ist ein weiteres Projekt. Die Facebook-Aktion „Mein Bauer. Meine Bäuerin.“ läuft bereits seit anfangs Jahr sehr erfolgreich. Mehr als 21'000 Personen haben bei einer der 31 Familien aus der Schweiz und Entwicklungsländern „Gefällt mir“ geklickt und erhalten regelmässig Einblick in deren Alltag. Im nationalen Komitee engagieren sich der Schweizer Bauernverband (SBV), die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), Helvetas, SWISSAID, der Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband und die AGRIDEA. Das Bundesamt für Landwirtschaft und die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit unterstützen die Aktivitäten, als Hauptsponsoren konnten Raiffeisen und Coop gewonnen werden. Alle Aktivitäten zum UNO-Jahr sind zu finden auf: www.familyfarming.ch

Rückfragen:

  • Jörg Beck, Projektleiter Tagung & Ressortleiter Agrarwirtschaft SAB, Mobile 076 549 69 46
  • Francis Egger, Präsident nationales Komitee & Mitglied GL Schweizer Bauernverband, Mobile 079 280 69 66
  • Peter Schmidt, Agronom und Abteilungsleiter, HELVETAS Swiss Intercooperation, Mobile 079 748 40 84
  • Caroline Morel, Geschäftsleiterin SWISSAID, Mobile 079 208 75 17