Glencores Tricks auf Kosten der Armen

Glencores Tricks auf Kosten der Armen

Die Buchhalter des Zuger Rohstoff-Konzern Glencore haben ein Kunststück vollbracht: Sie wiesen für ihre Kupfermine Mopani in Sambia in den letzten Jahren bloss Verluste aus und mussten folglich auch nie Gewinnsteuern zahlen. 

Das ist eine reife Leistung. Denn der Preis für Kupfer liegt auf Rekordniveau. Und die Firma Glencore (im Bild rechts der Hauptsitz in Zug) verfügt nicht nur über Kupferminen, sie kontrolliert auch 50 Prozent des globalen Handels mit dem „roten Gold“. Unter diesen Umständen müsste doch auch in Sambia ein Gewinn herausschauen.

Kupfer unter Marktwert verkauft

An sich schon, doch Glencore passte dies nicht ins Konzept, und so blähte Mopani die Kosten auf. Der Gewinn wurde dagegen geschmälert, indem die sambische Tochter das Kupfer unter Marktwert verkaufte – natürlich an andere Glencore-Töchter. Folge dieser Manipulation: Dem Staat Sambia entgingen rund 175 Millionen Dollar an Steuern und Dividenden. Zum Vergleich: Die beiden Leiter von Glencores Kupfergeschäft wurden mit dem Börsengang ihrer Firma Ende Mai rund 3,5 Milliarden Dollar reicher, CEO Ivan Glasenberg gar um 9 Milliarden. Zusammen ist dies mehr als   das Bruttoinlandprodukt Sambias von 15,7 Milliarden Dollar.


Ist dies gerecht? Wohl kaum. Ist dies statthaft? Laut OECD-Richtlinien nicht. Aber es ist schwer zu beweisen und deshalb gängige Praxis. Steuervermeidung heisst der Trick, mit dem multinationale Unternehmen Produkte und Dienstleistungen innerhalb ihres Konzerns derart hin- und herschieben, dass am Ende die Gewinne in Steueroasen hängen bleiben – zum Beispiel im Kanton Zug. Laut Schätzungen gehen den Entwicklungsländern so mindestens 100 Milliarden Dollar pro Jahr verloren.

Wichtigste Kennzahlen nach Ländern aufschlüsseln

Der Skandal ist, dass die reichen Länder ihre Gesetze über Rechnungslegung und Unternehmensbesteuerung derart konstruiert haben, dass Tricks „à la Glencore“ gefördert werden. So dürfen transnationale Unternehmen Bilanzen und Gewinnrechnungen global konsolidieren. Doch besteuert werden die einzelnen Ländergesellschaften, ohne dass die Konzerne verpflichtet würden, über interne Transaktionen detailliert Auskunft zu geben. Dies öffnet der Steuervermeidung Tür und Tor.

Es gäbe ein Gegenmittel. Multinationale Konzerne müssten verpflichtet werden, ihre wichtigsten Kennzahlen nach Ländern aufgeschlüsselt vorzulegen. In den USA und in der EU sind Bestrebungen im Gange, solche Informationen zu verlangen. Auch die Schweiz mit ihrer grossen Dichte an multinationalen Unternehmen müsste mitziehen – selbst wenn sie bisher von deren Steuertricks profitiert hat. Leider ist ein erster Anlauf im Winter letzten Jahres gescheitert. Das wird man korrigieren müssen, sonst droht die Schweiz zu einer globalen "Oase der Intransparenz" zu werden. Und dies nützt nur jenen etwas, die etwas zu verbergen haben - wie Manager von Rohstoffkonzernen, die sich auf Kosten von Entwicklungsländern bereichern.

                                                                                                                    Lorenz Kummer,
                                                                                                                    SWISSAID-Mediensprecher