SWISSAID-Forderungen an der Syngenta-GV

An der Generalversammlung des Basler Agrarkonzerns Syngenta wandte sich SWISSAID Geschäftsführerin Caroline Morel an den Präsdienten, die Mitglieder des Verwaltungsrates und die Aktionärinnen und Aktionäre.

"Ihr Jahresbericht 2010 hat mir wirklich Eindruck gemacht. Als Geschäftsleiterin eines Schweizer Hilfswerks, dass sich seit Jahrzehnten gegen Hunger und Armut einsetzt, freut es mich zu lesen, dass Syngenta - ich zitiere aus Ihrem Bericht - "den Landwirten helfen" wird, "genug Nahrungsmittel für die wachsende Bevölkerung zu erzeugen." Der Schlüssel zur Nahrungssicherheit liege darin, so lese ich, die Produktivität der 500 Millionen Kleinbetriebe weltweit zu steigern. Grossartig! Die Stärkung der Kleinbauernfamilien ist auch unser Ziel. Wobei ich darauf hinweisen darf, dass wir dabei die Bäuerinnen nicht vergessen. Sie leisten den Grossteil der Arbeit für die Nahrungsmittelproduktion.


Syngentas Beitrag zur Nahrungssicherheit ist Innovation, lese ich. Auch das, Herr Taylor, klingt sehr gut. Innovation braucht Wissensaustausch und Kooperation, schreiben Sie. Einverstanden. Aber wie passt das zusammen mit der aggressiven Strategie von Syngenta, Pflanzen, Saatgut, Gene - und damit Wissen - zu patentieren?

Lassen Sie mich ein paar Worte zum Patentieren von Leben verlieren. Syngenta hat im Jahr 2010 Sojabohnen zum Patent angemeldet, die natürlicherweise - ich wiederhole: natürlicherweise - ein Gen aufweisen, dass die Pflanzen gegen Rostkrankheit schützt. Syngenta beansprucht die Pflanzen mit diesem besonderen Gen als ihre Erfindung. Die Sojabohnen, in denen dieses Gen gefunden wurde, stammen aus Asien. Mit dem Patent versucht Syngenta, sich wertvolle genetische Ressourcen aus Asien anzueignen. Und Sie wollen verhindern, dass andere Züchter - oder auch Bäuerinnen - die Bohne mit diesem Gen nutzen. Das ist das Gegenteil von Austausch und Kooperation.

Ein diesen März von SWISSAID, der Erklärung von Bern und anderen Organisationen veröffentlichter Bericht zeigt auf, dass Syngenta bei der Patentierung von Pflanzen, Saatgut und Genen ganz vorne mit mischt. 185 solcher Patentanmeldungen sind am Europäischen Patentamt registriert, 23 davon basieren auf konventionellen Züchtungen ohne Gentechnologie.

Im Jahresbericht schreiben Sie, "Wir brauchen Mechanismen zum Austausch von Innovation - der Schutz unserer Urheberrechte stimuliert Forschung und Entwicklung". Plantum, der grösste und wichtigste Pflanzenzüchterverband Europas, ist hier ganz anderer Meinung. Plantum kritisiert das europäische Patentrecht und drängt auf eine Änderung. Denn, so Plantum, die zunehmende Patentierung von Pflanzenzüchtungen verhindert Innovation.

Sehr geehrter Herr Taylor, sehr geehrte Verwaltungsräte: ein zweiter, kritischer Blick auf Ihren Jahresbericht zeigt mir, dass Syngenta etwas ganz anderes will als SWISSAID. In der perfekten Welt von Syngenta wird es nicht mehr die 500 Millionen Kleinbetriebe geben, die Sie in Ihrem Bericht erwähnen. Es werden nur  einige wenige Landwirte überleben, die genügend Geld haben, um in die teuren, patentierten Produkte von Syngenta zu investieren. Die Vision von SWISSAID sieht ganz anders aus: wir wollen starke, unabhängige Kleinbauern und -bäuerinnen, die auch mit wenig Kapital ökologische und gesunde Nahrungsmittel produzieren. Und wir sind überzeugt, dass es sowohl viele, kleine Betriebe braucht wie auch viele, kleine innovative Züchter und Züchterinnen.

Im Namen von SWISSAID und unseren Partnerorganisationen in Entwicklungsländern fordere ich Sie damit auf, Ihre Patentanmeldungen zurück zu ziehen und sich für ein Verbot von Patenten auf Pflanzen, Saatgut und Gene einzusetzen. Gemeinsam mit anderen Organisationen hat SWISSAID einen offenen Brief an das Europäische Parlament und die EU Kommission verfasst, der eine Änderung des Patentrechts fordert. Wenn Sie es wirklich ernst meinen mit Innovation, Kooperation und dem Austausch, Herr Taylor, dann sollte auch Syngenta diesen Brief unterzeichnen. Eine Kopie des Briefes habe ich Ihnen mitgebracht."