Saatgutkarawane: Festival der Vielfalt auf dem Bundesplatz

Saatgutkarawane: Festival der Vielfalt auf dem Bundesplatz

Bern. "Die biologische Vielfalt ist nicht nur Rohstoffbasis, sondern Grundlage des Lebens", erklärte Bundesrat Moritz Leuenberger am Freitag am Festival der Vielfalt. Genau das war auch die Botschaft der Saatgutkarawane von SWISSAID und der Schweizer Bauernorganisationen, die auf dem Berner Bundesplatz zum Abschluss kam.

Die Karawane-Teilnehmer forderten, dass die Bauern und Bäuerinnen – nicht die grossen Konzerne – die Kontrolle über das Saatgut ausüben müssten, um die globale Ernährung sicherzustellen. Für die Teilnehmer der Saatgutkarawane - Bauern und Saatgut-Expertinnen aus Indien, Niger, Nicaragua und Guinea-Bissau - ist nach ihrer Reise durch die Schweiz klar: Es braucht eine ökologische und auf die lokalen Märkte ausgerichtete Landwirtschaft, abgestützt auf Saatgut, das gut auf die klimatischen Bedingungen angepasst ist.

Vielfalt der Pflanzen auf dem Bundesplatz direkt erlebbar

"Nur so lässt sich die globale Ernährung auch in Zukunft sichern." In dieser Überzeugung sei sie durch die Gespräche und Begegnungen mit Schweizer Kollegen bestärkt worden, erklärte etwa die nicaraguanische Bäuerin Carmen Picado Martinez.

Bundesrat Leuenberger betonte am Festival der Vielfalt, es sei gefährlich, allem und jedem einen ökonomischen Wert beizumessen. Denn biologische Vielfalt, Pflanzen und Tiere seien "Werte als solche", und Saatgut entfalte "eine Fülle von Farben, Gerüchen und Geschmäckern".  

Diese Vielfalt war am Freitag auf dem Bundesplatz direkt erlebbar. So war das Viereck vor dem Bundeshaus mit Nutzpflanzen aus vier Kontinenten bepflanzt worden, welche den globalen Reichtum an Arten und Sorten symbolisierten. 

Saatgut-Vielfalt ist akut bedroht

SWISSAID und die Schweizer Bauernorganisationen hatten die Saatgutkarawane und das Festival der Vielfalt organisiert, um auf die akute Bedrohung dieser Saatgut-Vielfalt aufmerksam zu machen. "Damit es auch in Zukunft für alle genug Nahrung gibt, brauchen wir einen möglichst reichen Genpool und damit Sortenvielfalt", erklärte Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes. Doch davon sei nur noch etwa zehn Prozent übrig. Das sei bedenklich wenig.

SWISSAID-Präsident Rudolf Rechsteiner wies darauf hin, die Vielfalt auf dem Feld – und damit auf dem Teller – werde derzeit durch den Boom der Agrotreibstoffe weiter zurückgedrängt – eine "fatale Entwicklung". In der Schlusserklärung forderten die internationalen Gäste unter anderem mehr finanzielle Unterstützung für die ökologische Saatgutzüchtung in der Schweiz und in den Ländern des Südens. Das Saatgut gehöre in die Hände der Bauern und Bäuerinnen, nicht multinationaler Konzerne, die einseitig auf dünger- und pestizidintensives oder gentechnisch manipuliertes Saatgut setzten.