Bundesämter begrüssen Weltlandwirtschaftsbericht: Tagungsbericht

Bundesämter begrüssen Weltlandwirtschaftsbericht: Tagungsbericht

Die Schweizer Bundesämter erklären sich mit dem Weltlandwirtschaftsbericht einverstanden. Doch die reale Politik trägt dem wenig Rechnung. Zusammen mit dem Schweizerischen Bauernverband, Greenpeace und Brot für Alle hat SWISSAID zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der Schweizer Landwirtschaftspolitik eingeladen (Unterlagen siehe Kasten rechts).

Vertreter des Bundesamtes für Landwirtschaft, des Bundesamtes für Umwelt, des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit zeigten sich über die Aussagen des Berichts erfreut.

Verheerende Folgen der industriellen Landwirtschaft

Angesichts der radikalen Forderungen seiner Verfasser musste das zunächst erstaunen. Denn die 400 Agrarexperten und Wissenschafterinnen aus aller Welt beschreiben die verheerenden Folgen der industriellen Landwirtschaft und fordern eine radikale Kehrtwende in der Landwirtschaftspolitik. Gefördert werden müssen nach Meinung der Experten vor allem die ökologische Produktion und die bäuerliche Landwirtschaft.

Bevor die Vertreter der Bundesämter die Diskussion aufnahmen, erfuhr das Publikum, worum es im Weltlandwirtschaftsbericht überhaupt geht: Hans Herren, Co-Präsident des Weltagrarrates, und Hans Hurni, einer der Hauptautoren des Weltlandwirtschaftsberichts, stellten den Bericht namens International Assessment of Agricultural Science and Technology for Development (IAASTD) vor.

Multifuktionalität fest verankert

Die Podiumsteilnehmer waren sich einig: In der Schweiz sei man auf gutem Weg, den Forderungen des Berichts nachzukommen. So sei die geforderte Multifunktionalität der Landwirtschaft in der Schweiz fest verankert. Die Schweiz produziere ökologisch und im internationalen Vergleich kleinbäuerlich. Auch die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit stelle die Kleinbauern ins Zentrum ihrer Unterstützung. 

Doch bald stellte sich heraus, dass die Einigkeit nicht über das Podium hinausreichte. Die anwesenden Schweizer Bäuerinnen und Bauern hatten eine ganze Liste kritischer Fragen für die Regierungsvertreter parat. Zum Beispiel, wie denn die Pläne der Schweizer Politik, den „Landwirtschaftssektor zu halbieren“ mit den Empfehlungen des Weltagrarberichts übereinstimmen würden? Schon jetzt sind nur noch drei Prozent der Schweizer Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Weltweit sind es noch über 40 Prozent der Menschen, die Mehrheit von ihnen Kleinbauernfamilien und die meisten von ihnen arm. 

Es braucht das Wissen der Kleinbauern

Im Sinne einer ländlichen Entwicklung kann es jedoch in niemandes Interesse sein, das Land noch weiter zu entvölkern. Vielmehr brauchen wir die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, ihr Wissen und ihre Erfahrung, um die landwirtschaftliche Produktion weltweit tatsächlich grundsätzlich neu auszurichten, wie es der Weltagrarbericht verlangt. 

Bis es soweit ist, braucht es auch in der Schweiz noch viel Bewegung und selbstkritische Reflexion. Und die darf auch vor der Schweizer Handelspolitik gegenüber Entwicklungsländern und den Interessen der Schweizer Agrar- und Lebensmittelkonzerne nicht Halt machen. Die interne Schweizer Agrarpolitik spielt für die globale Produktion letztlich eine untergeordnete Rolle. 

Dramatische Monopolisierung der Produktionsmittel

Weit wichtiger ist der Einfluss von Grosskonzernen wie Syngenta und Nestlé, die an der dramatischen Monopolisierung der Produktionsmittel Saatgut und Agrarchemie wie auch der Verarbeitung und Verteilung der Lebensmittel beteiligt sind. Sie gestalten die Bedingungen für die weltweite Agrarwirtschaft entscheidend mit. 

Ihr Einfluss wurde zwar erstaunlich direkt auf dem Podium benannt, blieb aber für die weitere Diskussion ohne Folgen. Aus dem bisher einzigartigen, partizipativen Prozess der Erstellung des Weltlandwirtschaftsberichts haben sich die Agrarkonzerne bemerkenswerterweise zurückgezogen. Als Ko-Präsident des Weltagrarrates bedauerte Hans Herren diesen Schritt. Denn die geforderte radikale Umkehr ist wohl kaum ohne die Agrar- und Lebensmittelkonzerne durchzusetzen. Ob sie mit ihnen umsetzbar ist, bleibt eine offene Frage.

Bild: Wikimedia