Im Niger leben 90 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft. Und schon in einem normalen Jahr können viele Bewohner des bitter armen westafrikanischen Landes dem kargen Boden nur mit Mühe und Not genug zu essen abtrotzen. Im vergangenen Jahr hat es indessen deutlich weniger geregnet als normal. Die Folgen sind katastrophal: Die Böden sind staubtrocken, vielenorts ist die Ernte auf den Feldern verdorrt, die Nahrungsmittelvorräte gehen zur Neige.
„Die Menschen sind am Verzweifeln“, sagt SWISSAID-Mitarbeiter Mohamadou Lawane, „denn sie wissen nicht, wie sie die kommenden Monate bis zur nächsten Ernte überleben sollen“. Auf dem Markt gäbe es zwar genügend Reis, Hirse oder Sorghum zu kaufen, doch die Preise sind in den letzten Monaten derart stark angestiegen, dass sich viele Familien nicht mehr genug Lebensmittel leisten können. Vom Hunger getrieben, verlassen sie ihre Dörfer und ziehen in die Städte. Doch dort ist die Lage nicht viel besser.
Immerhin spricht die neue Regierung Nigers Klartext – ganz im Gegensatz zu dem im Februar gestürzten Regime des Ex-Präsidenten Tandja, der die letzte Hungersnot 2005 zu vertuschen versuchte. Und die Diagnose der Behörden ist erschreckend: Fast 8 Millionen Menschen, also etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung, sind von Hunger oder Mangelernährung bedroht, wenn sie nicht sofort Hilfe erhalten. Besonders gefährdet sind Kinder und schwangere sowie stillende Frauen.
Die nigrische Regierung hat die internationale Gemeinschaft zur Hilfe aufgerufen. Benötigt werden rund 190 Millionen Franken, zugesichert sind erst knapp 60 Millionen. Auch SWISSAID, seit 1974 im Niger mit Projekten zur nachhaltigen ländlichen Entwicklung aktiv, stellt 300 000 Franken für ein Nothilfe-Projekt bereit. Damit sollen Nahrungsmittel gekauft und über bewährte lokale SWISSAID-Partner in mehr als 100 der am schwersten vom Hunger betroffenen Dörfer verteilt werden. Zudem sollen die leeren Saatgut-Banken gefüllt werden, damit die Menschen sich im nächsten Jahr wieder selbst ernähren können.




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