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Die Frauen von Esquipulas lassen sich nicht mehr alles gefallen

Frauen in einem Weiterbildungskurs
Wie sieht das typische Schicksal einer armen Bäuerin in Nicaragua aus? Sie muss jeden Tag Wunder vollbringen, um ihre sechs Kinder zu ernähren, sie kann kaum Schreiben und Lesen und sie ist abhängig von ihrem Ehemann. Die kleine Parzelle, auf der sie als Selbstversorgerin Kartoffeln und Yucca pflanzt, gehört ihrem Mann. Das dringend benötigte Geld für die Fahrt der Kinder zur Schule, den Kauf von Medikamenten, Kleidern und Gütern des täglichen Bedarfs wie Seife, Öl oder Salz, verdient vorwiegend ihr Gatte, der mehrere Monate im Jahr als Tagelöhner in der Hauptstadt Managua Arbeit sucht.

In den Familien werden Konflikte oft mit Gewalt ausgetragen, und meistens sind die Frauen und Kinder die Leid tragenden. Fachleute machen die blutige Revolutionsgeschichte des Landes, den harten Kampf ums tägliche Überleben sowie den allgegenwärtigen Machismo für die innerfamiliäre Gewalt verantwortlich.

Nicht alle wollten diese Situation länger hinnehmen. In Esquipulas, einer Gemeinde 60 Kilometer südlich der Stadt Matagalpa, schlossen sich 200 Frauen aus elf Dörfern zusammen, um sich aus Armut und Abhängigkeit zu befreien. Der Interessenverband der Landfrauen von Esquipulas setzt auf Eigeninitiative und verfolgt das Ziel, das Potential der Mitglieder zu fördern. In Workshops lernen die Frauen ihre Rechte und Pflichten als Bürgerinnen kennen und einfordern.

So erreichten sie beispielsweise, dass die Gemeindeverwaltung einen Alphabetisierungskurs anbietet. Den ersten Kurs besuchten 76 Landfrauen. Aus einem Kreditfonds erhalten sie zudem das Startkapital für die Aufzucht von 20 Hühnern. Diesen Kleinkredit müssen sie zurückzahlen, was den meisten gelingt.

Der Interessenverband scheut sich auch nicht, Themen aufzugreifen, die bisher tabu waren. Gemeinsam mit dem staatlichen Gesundheitsdienst wurden Aufklärungskampagnen über HIV sowie Krebsuntersuchungen für Frauen organisiert. Im Anschluss daran erhielten 145 Frauen die Möglichkeit, sich in einem Spital in der Hauptstadt behandeln zu lassen.

Die weit verbreitete innerfamiliäre Gewalt bekämpfen die Frauen mit verschiedenen Strategien. Zusammen mit dem Frauenkommissariat veranstalten sie Gesprächsrunden zu Themen wie Gewalt, Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger oder zum Gesetz über den Schutz von Kindern und Jugendlichen. Sie bieten Rechtsberatung und Schutz für Gewaltopfer an. In speziellen Veranstaltungen hinterfragen Männer und Jugendliche die Macho-Kultur.

SWISSAID unterstützt seit drei Jahren den Interessenverband, denn nur wenn Frauen und Männer gleichberechtigt die Zukunft gestalten können, ist eine nachhaltige Entwicklung möglich. Die Erfolge haben viele Frauen in ihrem Selbstvertrauen gestärkt und motiviert, aktiv und gemeinsam gegen Benachteiligungen vorzugehen. Diese Frauen lassen sich nicht mehr alles gefallen.
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Besseres Einkommen dank Hühnerzucht
150 Franken, eingezahlt in den Kreditfonds der innovativen Landfrauen von Esquipulas reichen als Startkapital für den Aufbau einer Hühnerzucht.
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