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Alles, was Sie schon immer über die Kartoffel wissen wollten

  1. Die Kartoffel (Solanum tuberosum) ist nach Reis und Weizen die drittwichtigste Kulturpflanze für die Ernährung. Jährlich werden über 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet.
  2. Mit über 70 Millionen Tonnen jährlich ist China der grösste Kartoffelproduzent der Welt.
  3. Noch vor 40 Jahren wurde die Kartoffel überwiegend (85 Prozent) in nördlichen Ländern angebaut.
  4. Heute stammt über die Hälfte der weltweiten Kartoffelproduktion aus weniger entwickelten Ländern des Südens.
  5. Über eine Milliarde Menschen essen Kartoffeln.
  6. Am meisten Kartoffeln werden mit 171,2 Kilogramm pro Jahr und Kopf in Weissrussland verzehrt. Im peruanischen und bolivianischen Hochland essen Frauen bzw. Kinder rund 880 bzw. 200 Gramm täglich.
  7. Heute wird die Kartoffel in etwa 125 Ländern und in allen 50 US-Bundesstaaten angepflanzt.
  8. Vor über 8000 Jahren wurde die Kartoffel erstmals in der Nähe des Titicacasees an der heutigen peruanisch-bolivianischen Grenze im Hochland Südamerikas angebaut.
  9. Es gibt etwa 5000 verschiedene Kartoffelsorten, von denen die meisten in den Anden wachsen.
    Kartoffeln werden von Meereshöhe bis in eine Höhe von 4700 Metern über Meer, von Chile bis Grönland, angebaut.
  10. In hohen Lagen pflanzten die Prä-Inka-Kulturen und später die Inka besondere frostresistente Kartoffelpflanzen mit einem hohen Glycoalkaloid-Gehalt (gegen den Frost!). In den frostkalten Nächten und in der heissen Sonne tagsüber wurden diese Kartoffeln gedörrt und gefriergetrocknet. Dann wurden sie als Vorräte für die Inka-Armeen und für den Fall von Nahrungsknappheit gelagert. Diese «Chuño» genannten Kartoffeln werden auch heute noch auf diese Weise erzeugt und gegessen.
  11. Spanische Entdecker brachten die Kartoffel Ende des 16. Jahrhunderts als botanische Kuriosität nach Europa. Bis ins 19. Jahrhundert hatte sich die Kartoffel in ganz Europa und auch andernorts verbreitet und diente als billiges und ertragreiches Nahrungsmittel.
  12. Ein Hektar Kartoffeln kann einen zwei- bis viermal grösseren Nährwert als Getreidepflanzen erzielen.
  13. Kartoffeln erzeugen mehr Nahrung pro Wassereinheit als alle übrigen wichtigen Kulturpflanzen.
  14. Kartoffeln haben schöne fünflappige Blütenkelche mit einem Durchmesser von 2 bis 3 cm. Die Blüten sind weiss bis dunkelblau-violett. Bestimmte Sorten verströmen einen starken angenehmen Duft.
  15. Normalerweise werden Kartoffeln aus anderen Kartoffeln, so genannten Saatknollen, gezogen. Kartoffeln haben aber auch Blüten, die wie bei anderen Pflanzen Samen produzieren.
  16. Kartoffeln bestehen zu etwa 80 Prozent aus Wasser.
  17. Die Kartoffel gehört wie Chilis, Auberginen, Tomaten und Tabak zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).
  18. Die Kartoffel ist nicht mit der Süsskartoffel verwandt.
  19. Grüne Teile der Kartoffelschalen sowie Keime enthalten das Gift Solanin und können gesundheitsschädlich sein.
  20. Kartoffeln sind eine ausgezeichnete Quelle für komplexe Kohlenhydrate, die von unserem Körper langsam verwertet werden und lange für einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel sorgen.
  21. Kartoffeln enthalten sehr wenig Fett: nur 5 Prozent des Fettgehalts von Weizen und ein Viertel der Kalorien von Brot. Gekocht enthalten sie mehr Eiweiss als Mais und fast zweimal so viel Kalzium.
  22. Eine mittelgrosse Kartoffel liefert rund 110 Kalorien, fast 3 Gramm Eiweiss, kein Fett und knapp 23 Gramm Kohlenhydrate.
  23. Mit einer einzigen mittelgrossen gekochten Kartoffel kann ein Erwachsener etwa seinen halben Tagesbedarf an Vitamin C und einen grossen Teil des Bedarfs an Eisen, Kalium und Zink decken.
  24. Kartoffeln enthalten viel Vitamin B.
  25. Die Spanier stellten fest, dass Seeleute, die Kartoffeln assen, wegen des Vitamin C-Gehalts nicht an Skorbut litten. So gehörten Kartoffeln rasch zu den Standardvorräten auf spanischen Schiffen.
  26. Kartoffeln können den Körper mit mehr Eisen versorgen als die übrigen Gemüsesorten, da das in Kartoffeln enthaltene Eisen vom Körper besser aufgenommen werden kann.
  27. Eine durchschnittliche Portion Kartoffeln mit Schale liefert rund 10 Prozent der empfohlenen täglichen Ballaststoffmenge.
  28. Gewöhnliche im Wasser oder in der Mikrowelle gekochte Kartoffeln eignen sich hervorragend für eine kalorienarme Ernährung. Nur ein Teelöffel Butter aber verdoppelt die Kalorienzahl einer Ofenkartoffel.
  29. Kartoffeln enthalten beachtliche Mengen an wertvollen Spurenelementen wie Mangan, Chrom, Selen und Molybdän.
  30. Kartoffeln können weisses, gelbes, rosafarbenes, rotes, violettes und sogar blaues Fleisch haben. Die gelbe Farbe ist vor allem auf Carotinoide, rot, violett und blau auf Anthocyane zurückzuführen. Carotinoide und Anthocyane sind Antioxidantien und spielen wahrscheinlich bei der Krebsprävention eine wichtige Rolle.
  31. Aufgrund der Wärmetransporteigenschaften der Kartoffel braucht es eine Ofentemperatur von über 177 Grad Celsius, um eine Kartoffel richtig zu backen.
  32. Beim Kochen nehmen Kartoffeln kein Salz auf. Salz muss deshalb nachher zugegeben werden.
  33. Als die Kartoffeln nach Europa gelangten, wurden sie in Schottland nicht gegessen, da sie in der Bibel nicht erwähnt werden.
  34. Die besten Pommes Frites werden zweimal frittiert. Vor dem Frittieren werden die Kartoffeln in Stäbchen geschnitten und während einer Stunde in kaltem Wasser liegen gelassen. Anschliessend werden sie gründlich getrocknet und in heissem Öl langsam frittiert, bis sie in der Mitte weich sind. Dann werden sie aus dem Öl genommen, gut abgetropft und ein zweites Mal in sehr heissem Öl frittiert. Dadurch werden die Pommes Frites aussen goldbraun und knusprig.
  35. 1853 wurden Kartoffelchips in Saratoga Springs im Bundesstaat New York durch Zufall erfunden, als Commodore Vanderbilt sich bei seinem Koch beschwerte, dass die Pommes Frites zu dick seien. Der Koch schnitt daraufhin die Kartoffeln in hauchdünne Scheiben, warf sie in siedendes Fett und servierte sie dem Commodore, der davon begeistert war.
  36. An der Wende zum 20. Jahrhundert wurde in Polen erstmals Wodka aus Kartoffeln hergestellt. Die Kosten dafür waren nur halb so hoch wie jene für die Herstellung von Wodka aus Weizen.
  37. Zur Herstellung von einem Liter Wodka werden etwa 5 Kilogramm Kartoffeln benötigt.
  38. 1903 meldeten die französischen Brüder Lumière das Autochrome-Verfahren für die Farbfotografie zum Patent an. 1907 brachten sie das Verfahren auf den Markt. Bei diesem Verfahren wurden Farbfotografien unter Verwendung einer Glasplatte hergestellt, auf der mikroskopisch kleine Kügelchen aus getrockneter Kartoffelstärke und eine Silberhalogenid-Emulsion aufgetragen worden waren. Das Autochrome-Verfahren blieb das wichtigste Farbfotografie-Verfahren, bis es Mitte der 1930er Jahre durch den Farbfilm verdrängt wurde.
  39. 1952 wurde das Spiel «Mr. Potato Head» auf den Markt gebracht. Es bestand aus verschiedenen Plastikteilen (Arme, Beine, Hut, Nase etc.), mit denen eine Kartoffel in Mr. Potato Head verwandelt werden konnte. Mr. Potato Head war das erste Spiel, für das auf den grossen US-Fernsehsendern Werbung gemacht wurde. 1953 kam Mrs. Potato Head dazu.
  40. 1960 entwickelte Dr. Edward Anton Asselbergs, der für Agriculture Canada in Ottawa arbeitete, ein Verfahren für die Herstellung von Kartoffelflocken für Kartoffelstock. Dieses Patent wird heute noch weltweit verwendet.
  41. 1974 konnte der Engländer Eric Jenkins 168 Kilogramm Kartoffeln von einer einzigen Pflanze ernten. Dieser Weltrekord ist bis heute unübertroffen.
  42. Gemäss dem Guinness-Buch der Rekorde wurde 1975 in England die grösste Kartoffel mit einem Gewicht von über 8 Kilogramm geerntet.
  43. 1981 begann ein kleines britisches Unternehmen mit dem Verkauf von Kartoffelchips mit Igelgeschmack.
  44. 1993 liess ein Erfinder in Idaho (Mr. «Pops» Hutchins) ein Gewehr patentieren, das mit Hilfe von kleinen tiefgekühlten Kartoffelstücken Farbe von den Mauern alter Häuser entfernte.
  45. 1995 wurden im Space Shuttle Columbia erfolgreich Kartoffeln gezogen, als erstes Gemüse im Weltraum. Für die Nahrungsversorgung für lange Weltraumreisen bis zum Mars oder noch weiter ist die Kartoffel die Favoritin.
  46. Der englische Begriff «Spud» für Kartoffel stammt von der irischen Bezeichnung für eine Art Spaten, die zum Graben von Kartoffeln verwendet wurde.
  47. Kartoffeln sollten kühl, dunkel und gut belüftet aufbewahrt werden. Für eine Lagerung bei Tageslicht sollten sie in einen braunen Papiersack gesteckt werden.
  48. Wenn Kartoffeln im Kühlschrank gelagert werden, wird die Stärke in Zucker umgewandelt. Die Kartoffeln schmecken dann süss und verfärben sich beim Kochen dunkel.
  49. Kartoffelstärke wird zur Herstellung biologisch abbaubarer Golf-Tees (kleiner Stift, auf den der Ball beim Abschlag gelegt wird) verwendet.
  50. Im Internationalen Kartoffelforschungszentrum (Centro Internacional de la Papa - CIP) im peruanischen Lima befindet sich die umfangreichste Kartoffelsammlung der Welt. Sie umfasst nahezu 5000 verschiedene Kartoffelsorten von etwa 100 Wildkartoffelarten. Die Sammlung wird unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen treuhänderisch verwaltet.

    Und als Bonus:
    Die Figur «Mr. Potato Head» hat in zwei Spielfilmen mitgespielt – in Toy Story 1 und 2.
    Um sich gegen Rheuma zu schützen, trug man früher eine rohe Kartoffel am Körper.
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Mehr über die Kartoffel

Link zur Sendung "mitenand" über ein Kartoffelprojekt von SWISSAID: Weitere aktuelle Hinweise

Weiterführende Links: