Staatsstreich in Guinea-Bissau: Swissaid zutiefst beunruhigt

Staatsstreich in Guinea-Bissau: Swissaid zutiefst beunruhigt

Bern/Lausanne, 19. April 2012. Swissaid – eines der wenigen Schweizer Hilfswerke vor Ort – ist besorgt über die Auswirkungen dieses Staatsstreichs auf die Projekte, die in diesem kleinen westafrikanischen Land unterstützt werden.

Das Swissaid-Büro in der Hauptstadt Bissau bleibt bis auf weiteres geschlossen, während die Einwohner immer noch aus der Stadt ins Landesinnere flüchten. Die Banken sind zu, und die von Swissaid unterstützten Projekte können nicht mehr versorgt werden. Die Lebensbedingungen der Bevölkerung dürften sich also noch weiter verschlechtern, obwohl Guinea-Bissau auf dem Human Development Index der UNO bereits jetzt Rang 176 von 177 Ländern belegt.

Was die Arbeit von Swissaid vor Ort auszeichnet, ist die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen zur Förderung der Demokratie – und dies in einem Land, dem es ganz offensichtlich schwer fällt, einen Schlussstrich unter eine lange Reihe von Staatsstreichen zu ziehen.

Am 18. März kam es zum ersten Wahlgang für das Präsidentenamt und Ende April stand die Stichwahl an. Im Anschluss an den ersten Wahlgang gewährte Swissaid ihren Partnerorganisationen Mouvement de la société civile und Ligue des droits humains methodische und technische Unterstützung, um zusammen mit anderen internationalen Organisationen an einer Mediationsrunde aller Stakeholder teilzunehmen. «Die zivilgesellschaftlichen Organisationen wollten die Lage beruhigen und forderten die Kandidaten auf, sich an das Wahlgesetz und die Verfassung zu halten», sagt Pierre Kistler, Programmverantwortlicher für Guinea-Bissau bei Swissaid, der kürzlich von einem Einsatz vor Ort zurückgekehrt ist.

Vor den Wahlen hatte Swissaid ein Projekt zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Bürgerrechte unterstützt und besonders Frauen in ländlichen Gebieten zur aktiven Teilnahme am öffentlichen Leben sowie an der Wahl selber ermutigt.

Die beiden von Swissaid in Bissau geförderten privaten Radiosender Bombolom und Pindjiguity wurden jedoch auf Anordnung des Militärs abgeschaltet. Die von Swissaid unterstützten freien Radiostationen auf dem Land senden nur Musik und Informationen über die laufende Cashew-Ernte.

Die Partner und Begünstigten von Swissaid stecken mitten in der Cashew-Ernte, die jedes Jahr im April stattfindet. «Die instabile Situation wird negative Folgen für sie haben, denn in finanzieller Hinsicht sind diese Wochen die wichtigsten des ganzen Jahres», erklärt Pierre Kistler. Da die Häfen und der Flughafen zurzeit geschlossen sind, könnte der Export der Cashew-Nüsse behindert werden. Die Preise sind bereits stark gefallen.

Zwar bauen die meisten Bäuerinnen und Bauern in Guinea-Bissau Cashew-Nüsse für den Export an, aber Swissaid unterstützt auch Anbauprojekte, mit denen die Ernährungssicherheit der Bevölkerung verbessert werden kann. Guinea-Bissau ist einer der wichtigsten Cashew-Produzenten Westafrikas.

Für weitere Informationen:

  • Pierre Kistler, Programmverantwortlicher für Guinea-Bissau, Tel. 031 350 53 56