Fliessendes Glück

In den ländlichen Gebieten des Tschad haben bloss 30% der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser. Der Bau von 28 Brunnen erleichterte den Alltag vieler Kleinbäuerinnen daher enorm.

„Merci ngay!“, sagt Pauline Blet, die Präsidentin des Brunnenkomitees von Maïkom, einem Dorf in der Region Chari. Das bedeutet „vielen Dank“ in der lokalen Sprache Sara. Besonders die Frauen atmeten auf als der erste Brunnen eingeweiht wurde. „Endlich erhalten wir Hilfe. Vor allem wir Frauen.“ Denn es waren die Frauen und Mädchen, die täglich die Böschung zum Fluss rauf- und runterklettern mussten, um Wasser zu holen, das erst noch von schlechter Qualität war. „Aber wir hatten keine Wahl.“ Ihre berechtigte Hoffnung: „Mit diesem neuen Brunnen wird es keinen Durchfall mehr geben.“

Wie überall hat der Wassermangel auch im Tschad oft dramatische Folgen: Die Kindersterblichkeit ist hoch, die landwirtschaftliche Produktion tief und die Viehzucht eingeschränkt, was die Unterernährung verschärft. Hinzu kommen schwierige Lebensbedingungen für die Frauen, die jeden Tag kilometerweit vom Wohnort ihrer Familien entfernt Wasser holen müssen.

SWISSAID unterstützt im Rahmen eines Konsortiums der Schweizer Hilfswerke mit Finanzierung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) die Anstrengungen der tschadischen Regierung. Deren Ziel ist es, bis ins Jahr 2020 für mindestens 60 % der Landbevölkerung den Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen zu verbessern.

Mit Muskelkraft zu Wasser

Das im ersten Halbjahr 2012 angelaufene Projekt wird vom SWISSAID-Büro im Tschad geleitet. Wie sah der Ablauf in der Praxis aus? Zuerst wurden die in Frage kommenden Dörfer ermittelt. Anschliessend wurden nach den entsprechenden Ausschreibungen Unternehmungen für den Bauauftrag ausgewählt. Mit diesen wurden Verträge über den Bau von 26 neuen und die Erneuerung von zwei bestehenden Brunnen abgeschlossen.

Die Umsetzung ist immer eine von Fachleuten erbrachte Meisterleistung. Gebohrt wird von Hand: Die Spezialisten drehen den Bohrer in die Tiefe, indem sie ins Bohr-Rohr eine Querstange einfügen. Männer nutzen die Hebelwirkung und drehen das Rohr mit blosser Muskelkraft bis zu 70 Meter in die Tiefe. Nach Absenkung von Filter-, Mantel- und Steigrohr wird die Handpumpe aufgesetzt.

Vollendet wird diese Anlage durch den Bau einer Brunnenmauer mit einer Metalltür, einer Bodenplatte aus Zement sowie einer Umfassungsmauer; damit sollen Schutz und Sauberkeit der Wasserstelle gewährleistet werden. Das Wasser pumpen die Benutzerinnen und Benutzer von Hand selber hoch.

Strikte Bewirtschaftung der Wasserentnahmestellen

Soll der Brunnen langfristig funktionieren, sind Information und Sensibilisierung der Bevölkerung zum Funktionieren und zum Betrieb der Brunnen von zentraler Bedeutung. Deshalb wurde für jeden Brunnen ein zuständiges Komitee ernannt und ausgebildet, die alle über einen Präsidenten, einen Sekretär, einen Kassier, zwei Brunnenwärter und drei Rechnungsprüfer verfügen. Dabei wurde immer auf eine ausreichende Vertretung der Frauen geachtet.

Diese Amtsträger werden von den Einwohnern des jeweiligen Dorfes gewählt und sorgen dafür, dass die Brunnen im Interesse aller langfristig genutzt und bewirtschaftet werden. Der Zugang zum Wasser ist kostenpflichtig: Knapp 1 Franken muss ein Haushalt monatlich dafür aufwenden. Das liegt auch für arme Bauernfamilien im Bereich des Möglichen. Die so erzielten, vom Brunnenkomitee verwalteten Einnahmen dienen dem Unterhalt des Brunnens, der Reparatur von defekten Pumpen und dergleichen. Jedes Dorf äufnete zudem vor Baubeginn ein Anfangskapital für den Unterhaltsfonds von CFA 100'000 (rund 200 Franken), der in einer lokalen Mikrofinanz-Struktur angelegt wurde.

Durchfall, Krätze, Bauchschmerzen ade!

In den Dörfern, in denen in jüngster Zeit neue Brunnen eingeweiht wurden, sind die Auswirkungen schon bald sichtbar. Das Wasserholen ist für die Frauen und Kinder deutlich einfacher geworden, weil die zurückzulegenden Wege nun viel kürzer sind. Der erleichterte Zugang zu Trinkwasser führt zu einer besseren Hygiene sowie dem Rückgang von Erkrankungen wie Durchfall, Krätze und Bauchschmerzen. Zu guter Letzt kann auch der Speisezettel durch etwas Gemüse aus dem Garten ergänzt werden.

Das Wasserkonsortium der Schweizer Hilfswerke, die dieses Projekt gemeinsam umsetzen, fördert zudem den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit auf fachlicher Ebene in der Region. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass alle Synergien genutzt wurden, um die Nachhaltigkeit dieses Wasserprojekts im Tschad sicherzustellen, mit dem sich das Leben von mehreren Tausend Menschen radikal verbessert hat.