Nachhaltige Landwirtschaft muss Eckpfeiler der „Grünen Ökonomie“ werden

Nachhaltige Landwirtschaft muss Eckpfeiler der „Grünen Ökonomie“ werden

Zürich, 23. Mai 2012. Die „Grüne Ökonomie“ steht im Zentrum, wenn sich die Weltgemeinschaft in exakt vier Wochen zum Rio+20-Erdgipfel trifft. Dieser kann nur Erfolg haben, wenn er die ökologische und kleinbäuerliche Landwirtschaft zur Basis für die Ernährung der neun Milliarden Menschen macht, die bis 2050 auf der Welt leben werden. So lautet das Fazit einer Podiumsdiskussion an der ETH Zürich.

Wie soll die Landwirtschaft in der „Grünen Ökonomie“ aussehen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben Biovision, Swissaid und das Zentrum für Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern Expertinnen und Wissenschaftler zu einer Podiumsveranstaltung an der ETH Zürich eingeladen. Der Rio+20 Erdgipfel im Juni bietet die Möglichkeit, einen grundlegenden Kurswechsel im Landwirtschafts- und Ernährungssystem einzuleiten. „Die Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Methoden und die verstärkte Verbindung zwischen Wissenschaft und Politik muss in Rio im Zentrum stehen“, forderte Hans Rudolf Herren, Präsident der Stiftung Biovision und Welternährungspreisträger: „Nur so kann die Wirtschaft wirklich grün und auch sozial nachhaltig werden.“

In den letzten Jahren ist klar worden, dass die industrielle Modernisierung der globalen Landwirtschaft in eine Sackgasse führt. „Damit wird die künftige Entwicklung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu einer Schlüsselgrösse in den Nachhaltigkeitsbemühungen und in entsprechenden Ansätzen der ‚Grünen Ökonomie‘“, sagte Professor Urs Wiesmann vom CDE. Swissaid-Geschäftsleiterin Caroline Morel wies auf die Risiken der "Grünen Ökonomie" hin: „Die Landwirtschaft darf nicht zum Rohstofflieferanten für eine vermeintlich grüne Wirtschaft degradiert werden. Schon jetzt werden für Agrotreibstoffe Wälder abgeholzt, Kleinbauern-Familien vertrieben und die Produktion von Nahrungsmitteln verdrängt.“ Eine neue, vom CDE mitverfasste Studie belegt, dass rund die Hälfte der grossflächigen Landnahmen auf den Agrotreibstoff-Boom zurückzuführen sind.

Bereits 2008 hatte ein Gremium aus 400 Agrarwissenschaftlern und Expertinnen den Weltagrarbericht (IAASTD) publiziert, in dem ein fundamentaler Kurswechsel in der Landwirtschaftspolitik und die Neuorientierung der Agrarforschung gefordert werden: Weg von kurzfristiger Ertragsmaximierung, hin zu einer ökologischen Landwirtschaft, die nicht den höchsten, aber den nachhaltig möglichen Ertrag anstrebt, Böden und Gewässer schont  sowie die Kleinbauern im globalen Süden aus der Armut führt. Diese Forderungen werden derzeit in Vorverhandlungen zu Rio+20 diskutiert. Biovision, das CDE, und Swissaid fordern die Schweizer Delegation auf, sich dabei für konkrete Massnahmen für einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft einzusetzen. Soziale Gerechtigkeit und das Menschenrecht auf Nahrung müssten dieselbe Bedeutung erhalten wie die wirtschaftlichen und die ökologischen Ziele.

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