Agrarforschung: Mehr Einfluss für die Bauern

Agrarforschung: Mehr Einfluss für die Bauern

Bern/Lausanne. Welche Forschung braucht es, um den Hunger zu beseitigen? Tut die Schweiz das Richtige? Zur Diskussion dieser Fragen luden SWISSAID und das Centre for Development and Environment CDE gestern Abend zu einer Tagung an der Universität Bern ein. In einem Punkt waren sich alle einig: Es braucht einen Richtungswechsel in der globalen Landwirtschaft und in der Agrarforschung - hin zu den Kleinbauern und zur multifunktionellen Landwirtschaft.

Die Herausforderungen für die Agrarforschung sind immens: Klimawandel und knappe natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser, Biodiversität und fossile Energie erlauben kein "Weiter-wie-Bisher". Gleichzeitig wächst die Bevölkerung, und politische Strategien, den Wegwerf-Konsum in den Industrieländern zu mindern, sind nicht in Sicht.

Forschung gegen den Hunger

SWISSAID-Geschäftsleiterin Caroline Morel verlangte deshalb an der von SWISSAID und dem Centre for Development and Environment CDE organisierten Tagung politische Entscheide, um die Agrarforschung neu auszurichten: "Ein Drittel der Lebensmittel wandert in den Abfall, gleichzeitig leiden rund eine Milliarde Menschen Hunger. Auch hier muss die Forschung ansetzen."

Noch immer fokussiert die Agrarforschung zu einseitig auf das Ziel, die Erträge in der Landwirtschaft zu erhöhen. "Wir brauchen einen gut entwickelten ländlichen Raum - wirtschaftlich, sozial und ökologisch", forderte Hans Hurni, Direktor des Nationalen Forschungsschwerpunkts Nord-Süd und Gründungspräsident des CDE der Universität Bern. "40 Prozent der Weltbevölkerung leben von der Landwirtschaft. 99 Prozent davon sind Klein- und Kleinstproduzenten. Forschung für Entwicklung muss an ihren Problemen und Bedürfnissen ansetzen."

Kosten von den Menschen nicht mehr tragbar

"Die Agrarforschung hat sich zur Speerspitze der industriellen Landwirtschaft gemacht", kritisierte Assétou Samaké, Molekularbiologin aus Mali und Projektpartnerin von SWISSAID." Doch deren Kosten sind für Mensch und Natur schlicht nicht mehr tragbar. "Wissenschaftlerinnen und Forscher müssen von den Erfahrungen und dem Wissen der BäuerInnen lernen", so Samaké. Nur eine Handvoll der grössten Saatgut- und Agrarchemiekonzerne beherrschen den Agrarmarkt, darunter auch die Schweizer Syngenta. Ihr Einfluss wirkt sich auch auf die öffentlich finanzierte Agrarforschung aus und stellt deren Unabhängigkeit in Frage.

Dass es einen Richtungswechsel braucht, kam in der Podiumsdiskussion deutlich zum Ausdruck. Wie dieser jedoch genau aussehen soll, war umstritten. So setzte sich Nationalrätin Maya Graf (Grüne) dafür ein, die Forschungsgelder an Bedürfnissen und Wissen der Bauern und Bäuerinnen auszurichten, während ETH-Agronomin Nina Buchmann für ein "Sowohl-als-auch" und den Einbezug aller Technologien plädierte. Francis Egger vom Schweizer Bauernverband betonte indessen, man müsse sich verstärkt regional ausrichten und auch die Ernährungssouveränität der Regionen achten: "Mali muss letztlich Mali ernähren."

Die Dokumentation der Tagung, darunter auch Bilder und ein Video, steht hier zum Download bereit.

Bild: UN Foto/Fred Noy