Die Schweiz weist mit ihrem Gentech-Moratorium Europa den Weg

Die Schweiz weist mit ihrem Gentech-Moratorium Europa den Weg

"Die Schweiz ist ein Leuchtturm in Europa, die mit ihrem Gentech-Moratorium Europa den Weg weist", waren sich die 250 Teilnehmenden an der 5. Europäischen Konferenz der gentechnik-freien Regionen "Food&Democracy" einig. Sie forderten die Gäste aus 39 europäischen Ländern der EU auf, dem Schweizer Vorbild zu folgen und ein Moratorium für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Nahrungspflanzen zu erlassen.
 

Sechs Staaten verbieten den Anbau von Monsanto-Mais

Ein EU-Moratorium ist notwendig, um die EU-Gesetzgebung zu überdenken und die regionale Selbststimmung zu stärken. Und der Zeitpunkt für ein Moratorium ist so günstig wie nie: Sechs EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Frankreich und Österreich, haben den Anbau der Gentech-Maissorte MON810 verboten.

Dieser Mais ist die bisher einzige für den kommerziellen Anbau zugelassene Gentech-Pflanze in der EU. Gleichzeitig gibt es innerhalb Europas immer mehr gentechnik-freie Regionen, Landkreise und Gemeinden – zunehmend auch in den osteuropäischen Ländern. 

Erfolgreiche Kampagne für ein gentechnik-freies Indien

Während zwei Tagen bezogen prominente Gäste wie der österreichische Landwirtschaftsminister Berlakovich, die Schweizer Parlamentspräsidentin Simoneschi-Cortesi und der tschechische Vize-Umweltminister Blaha klar Stellung für eine vielfältige, ökologische Landwirtschaft ohne Gentechnologie.

Internationale Expertinnen und Experten informierten und diskutierten über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, über die Verfügbarkeit gentechnik-freier Futtermittel sowie über die unzähligen Initiativen für eine gentechnik-freie Landwirtschaft in Europa sowie weltweit. Dabei hatte auch SWISSAID Gelegenheit, über die von ihr in Lateinamerika und Westafrika initiierte Kampagne "Unser Saatgut – unser Leben" vorzustellen und Einblick in die innovative und erfolgreiche Kampagne für ein gentechnik-freies Indien zu geben.

Fachliches Herzstück waren sicherlich die vielen Workshops am zweiten Tag der Konferenz, an denen Gesundheitsrisiken von Gentech-Produkten, die wachsende Zahl von Patente auf Pflanzen und Tiere, Lebensmittel aus Klontieren oder die Möglichkeiten der demokratischen Mitbestimmung in der EU behandelt wurden. SWISSAID organisierte einen Workshop zur Ernährungssouveränität mit Hans Herren, Ko-Präsident des Weltagrarberichts, Benny Haerlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Helen Holder von Friends of the Earth Europa und Guy Kastler von Via Campesina und dem Saatgutnetzwerk aus Frankreich.

Sicherstellung der Ernährungssouveränität in Europa

Während fünf Stunden wurden intensiv diskutiert, was das Konzept der Ernährungssouveränität für Europa bedeutet, welche Lehren aus der Erfolgsgeschichte der gentechnik-freien Regionen gezogen werden können und wie die Resultate des Weltagrarberichts auch in Europa umgesetzt werden müssten.

Neben einem EU-weiten Moratorium für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und einer Verlängerung des Schweizer Moratoriums fordert die Abschlusserklärung der Konferenz denn auch die Sicherstellung der Ernährungssouveränität und die Stärkung der regionalen Selbstbestimmung in Europa.