Ölhändler sollen unter die Lupe kommen

Ölhändler sollen unter die Lupe kommen

Bern / Lausanne, 24. April 2012. Rohstoffhändler könnten schon bald verpflichtet sein, ihre Käufe bei vielen staatlichen Ölgesellschaften offenzulegen. Die globale Transparenz-Initiative EITI hat auf entsprechende Forderungen der US-Organisation Revenue Watch positiv reagiert. Swissaid unterstützt diese Ausweitung der Transparenz. Die Schweiz, der weltweit wichtigste Ölhandelsplatz, sollte jedoch weiter gehen und bindende Vorschriften für den gesamten Sektor erlassen.

Jedes dritte weltweit gehandelte Fass Rohöl wird über die Schweiz verschoben. Die Firmen heissen Vitol, Gunvor, Trafigura oder Mercuria – und sie setzen mit dem Schwarzen Gold jährlich mehrere hundert Milliarden Dollar um. Diese in der Öffentlichkeit kaum bekannten Zahlen legte die Erklärung von Bern letzten Herbst im Buch „Rohstoff“ vor, an dem auch Swissaid mitgearbeitet hat (). Mit wem die Geschäfte indessen getätigt werden, blieb bisher weitgehend im Dunkeln – wie so vieles in dieser diskreten Branche.

Dies könnte sich bald ändern. Die EITI (Extractive Industries Transparency Initiative) prüft derzeit, ob Geschäfte mit nationalen Ölgesellschaften künftig ebenso offengelegt werden müssen wie Steuern und Förderabgaben – und zwar von Käufer- wie Verkäuferseite. Damit reagiert EITI auf die Publikation der Studie „Citizens‘ Oil“ der US-Organisation Revenue Watch. Diese untersuchte den Ölhandel in elf Staaten, wo dieser teilweise bis zu zwei Dritteln aller Regierungseinnahmen ausmacht.

Swissaid begrüsst die mögliche Ausweitung der Transparenzregeln. „Das Geld aus dem Handel der staatlichen Ölgesellschaften gehört der Bevölkerung der entsprechenden Länder“, sagt Lorenz Kummer, Rohstoff-Experte des Hilfswerks. Um sicherzustellen, dass dieses Geld nicht in dunklen Quellen versickert, brauche es so viele Informationen wie möglich. Die Transparenz-Initiative EITI wird seit 2009 auch von der Schweiz unterstützt. Swissaid ist derzeit an der Ausarbeitung des 1. EITI-Berichts für den Tschad beteiligt, wo sich das das Hilfswerk seit zehn Jahren für mehr Transparenz im Ölgeschäft einsetzt.

Neben den EITI-Regeln in den Produzentenländern braucht es aber auch bindende Transparenzvorschriften in den Staaten, wo die Rohstoffkonzerne und – händler ihren Sitz haben. In den USA und der EU sind diese in Vorbereitung. Swissaid  fordert deshalb auch von der Schweiz eine kohärente Strategie zur Regulation des boomenden Sektors.

Weitere Informationen:
Lorenz Kummer, Swissaid, Tel. 031-350-5351; 079-307-2592; l.kummer[at]swissaid.ch

Swissaid ist in neun Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in der Entwicklungs-zusammenarbeit tätig und nimmt auch in der Schweiz auf entwicklungspolitische Fragen Einfluss. Das Hilfswerk beschäftigt weltweit 124 Mitarbeitende, davon 29 in der Schweiz. Swissaid finanziert sich durch Spenden und wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) mitgetragen.